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Lob und Tadel

Wir kennen es alle, im Büro erhält man eher mal eine Rüge, als eine Lobrede auf vollbrachte Leistungen. Es ist völlig selbstverständlich, dass wir ständig hervorragende Leistungen erbringen, aber gedankt wird es uns nicht.
Ein Beispiel:
Wir notieren zuverlässig Tag für Tag richtig Fristen, nur manchmal, manchmal, da verlässt uns die Übersicht und eine Frist entgleitet uns. Eine von 1000.
Selbstverständlich wird dieser Fehler, mag er letztlich auch noch so klein gewesen sein, entdeckt und dann naht sie, die Stunde der Wahrheit.
Ich habe bisher unglaubliches Glück gehabt, bisher ist mir das Schicksal einer eidesstattlichen Versicherung, in der ich bekunden muss, dass ich "blöd" bin, ersparrt geblieben. Aber gelesen habe ich diese eidesstattlichen Versicherungen schon häufiger, immer mit einer Gänsehaut, gekreuzten Fingern und der Hoffnung, bis ins Rentenalter verschont zu bleiben.
So eine verpatzte Frist wird von Arbeitgeber zu Arbeitgeber anders bewertet, es gibt vier Typen:
- Den cholerischen Brüller.
Diesem möchte ich immer entgegenhalten, dass man durch Brüllen auch nichts besser macht und außerdem das Hirn bei Lautstärke auf Abschalten schaltet. - Den genervten Zischer.
Dieser Typ ist gefährlich, leise zischend weist er die Mitarbeiterin auf ihre Unzulänglichkeit hin, nach der Standpauke ist vom Selbstwertgefühl nichts mehr übrig. - Den panischen Chaoten.
Mit absoluter Hektik und einem unglaublichen Aufwand auf Aufmerksamkeitseinforderung versucht dieser, das Geschehene ungeschehen zu machen. Wir wissen aber, Wunder geschehen leider nie bei uns. - Den penetranten Besserwisser.
Mit belehrender Stimme werden wir darauf hingewiesen, wie wir es hätten besser machen können und wie die Frist hätte notiert werden müssen. Das Betrübliche hieran ist jedoch, wir wussten es selbst und haben es trotzdem verkehrt gemacht und wenn man erklären soll warum, dann ist da nichts als stilles Entsetzen.
Aber, all die guten Dinge, die man Tag für Tag richtig macht, die werden gerne übersehen und so wünsche ich mir, für jedes Tadel mindestens ein Lob, damit der Tag eine ausgeglichene Balance hat.
Ich habe gelernt, mich selbst zu loben, damit lebe ich glücklich und zufrieden und lobe Sie jetzt erst einmal dafür, dass Sie immer alles so toll machen und nur ganz selten mal – und das ist eben die Ausnahme – einen Fehler machen. Seien Sie unverzagt, letztlich überwiegen Ihre Stärken und vergessen Sie nie daran zu denken, wenn Sie gerade denken, dass Sie nur aus Schwächen bestehen.
Ihre G. Baumgärtel