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Geschwindigkeit

Unser Beruf hat diverse Risiken und Nebenwirkungen, die in keiner Packungsbeilage abgedruckt sind und die auf Befragen auch kein Arzt erläutert.

Eine der typischen Nebenwirkungen ist es, dass wir alles mit rasanter Geschwindigkeit tun. Üblicherweise ist die Zeit, die zur Verfügung steht, immer nie lang genug, um tatsächlich alles zu schaffen und so rasen und hetzen wir durch den Büroalltag, mehrere Dinge gleichzeitig erledigend, immer in der Hoffnung, am Ende des Tages all das bewältigt zu haben, was es zu bewältigen gibt.

Diese Geschwindigkeit wird zur Grundeinstellung. Ich habe mich letztens beim Autofahren beobachtet und möchte Ihnen mein Erlebnis schildern.

Vergnügt fahre ich von einem Besuch bei einer Freundin nach Hause, es ist reger Verkehr aber noch fließt der Verkehr, man kommt zügig, aber nicht schnell voran.

Da! Vor mir, ausgerechnet vor mir: EINE FAHRSCHULE. Na das geht gar nicht, ich kann auf keinen Fall hinter dem Fahrschüler bleiben, habe ich doch die latente Angst, dann überhaupt nie mehr ans Ziel zu gelangen. Ein Fahrschüler fährt die erlaubten 50 km/h, niemand sonst in der Großstadt (Ausnahme: Rentner und Beamte) fährt mit 50 km/h im Straßenverkehr. 58 km/h sind Pflicht, meist bewegt man sich aber deutlich über den 60 km/h.

Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wechsele ich also die Spur, auf der Flucht und in dem Bemühen, dem Fahrstil des Fahrschülers zu entgehen. Leider bin ich nicht mit der Tugend der Geduld ausgestattet und habe die Angewohnheit laut schimpfend im Auto zu sitzen, wenn ich einen anderen Verkehrsteilnehmer als Hindernis empfinde.

Dem einen Spurwechsel sollten noch mehrere Spurwechsel folgen, hektisch war ich darum bemüht, dadurch ein Quäntchen früher zu Hause zu sein. Ein gelassener Fahrstil sieht anders aus.

Endlich, endlich erreiche ich die Auffahrt zur Autobahn, von da aus kann ich, wenn nicht wieder mal irgendwo ein Stau ist, wenigstens in angemessener Geschwindigkeit in Richtung zu Hause fliegen.

Während ich an der Ampel stehe, blicke ich auf die Spur neben mir und falle fast vom Sitz, da steht er, der Fahrschulwagen, mit Tempo 50 ist er genau so weit gekommen, wie ich mit Tempo … (das verrate ich jetzt nicht).

Ich bin aber lernfähig, wenn ich gemütlich genauso zum Ziel komme, wie im Stress, dann will ich zukünftig, egal ob im Büro oder im Auto die Geschwindigkeit rausnehmen und mit dosierter Langsamkeit Erfolg haben.


Wie war das: Probier`s mal mit Gemütlichkeit…

 

Ihre

G. Baumgärtel

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