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Geburtstag
Ich weiß nicht, was schöner ist: Die Vorfreude auf den Geburtstag oder der Geburtstag selbst. Bei mir ist es wieder so weit. Während ich diese Kolumne schreibe, freue ich mich auf meinen Geburtstag – wenn Sie die Kolumne lesen, ist mein Geburtstag vorbei.
Die Vorfreude ist groß, ich habe manchmal ein kindliches Gemüt und gebe offen zu, dass ich es liebe, beschenkt und gefeiert zu werden.
Obwohl ich nicht mehr ein „Bivie“ (Bis vierzig) bin, sondern bereits ein „Uhu“ (Unter hundert), habe ich noch viele Wünsche, über deren Erfüllung ich mich freue. Und irgendwie steckt in mir eine Elster: Wenn es glitzert, funkelt und glänzt, bin ich besonders erfreut. Nun kann mir nicht jeder „Klunker, so groß wie Taubeneier“ schenken, aber Modeschmuck ist doch auch sehr hübsch.
Und dann der Klassiker: Über Bücher, Musik, Karten für schöne Veranstaltungen, edle Kosmetik, Kleidung und Co. freue ich mich sehr; ich bin also leicht zu beschenken.
Aber das Beste an meinem Geburtstag sind die Rituale, die ich befolge:
Ich arbeite nie an meinem Geburtstag; Geburtstag ist ein Tag, an dem ich ganz dem Lustprinzip folgen möchte. So sehr ich Akten auch liebe, einmal im Jahr nehme ich keine Akte in die Hand, telefoniere nicht mit Mandanten und schreibe vor allen Dingen keine Vergütungsrechnung. Nicht einmal die Zwangsvollstreckung lockt mich an diesem Tag ins Büro, und es gibt keine Beurkundung, die mich von diesem Grundsatz abweichen lässt. Geburtstags ist arbeitsfrei, ich schaue nicht einmal ins ReNo-Forum, denn an meinem Geburtstag bin ich Privatier.
Der Tag verläuft dabei in geordneten Bahnen. Erst öffne ich voller Wonne die Geschenke, die schön dekoriert und verpackt zu Hause auf mich warten.
Anschließend, wenn Kind und Mann das Haus verlassen haben, gehe ich seit Jahren mit einer sehr guten Freundin in aller Frühe frühstücken (wie dekadent, mitten in der Woche, wenn alle arbeiten, ausgiebig zu frühstücken). Meine Freundin muss irgendwann ins Büro und ich entschwinde in einen Konsumtempel, um mich selbst zu beschenken mit etwas, was ich schon lange haben wollte, mir aber nie gegönnt habe.
Erschöpft von dieser Anstrengung, treffe ich mich mit einer anderen Freundin zum Lunch, um von dort direkt in eine wunderbare Konditorei zu leckeren süßen Köstlichkeiten mit meinem besten Freund zu wechseln. Den Rest des Nachmittags benötige ich dann, um mich in ein umwerfendes Wesen zu verwandeln und das Abendprogramm, das jedes Jahr ein Bestandteil des Rituals ist, zu genießen.
Gegen Mitternacht wird dann mit einem Gläschen Champagner auf den Geburtstag ein letztes Mal angestoßen – ich wanke müde und glückstrunken ins Bett und freue mich auf den nächsten Geburtstag, der ein Tag der nie endenden Freude werden soll.
Während ich in den Schlaf dämmere, werde ich wieder denken, dass Älterwerden doch gar nicht so schlimm ist, und mit einem Lächeln dem nächsten Lebensjahr entgegensehen.
Wann auch immer Ihr Geburtstag ist: Feiern Sie ihn auf Ihre Art, Sie haben es sich verdient.
Ihre G. Baumgärtel