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Der Kühlschrank
Ohne Kühlschrank geht in der heutigen Zeit gar nichts. So hat jeder Haushalt mindestens einen Kühlschrank und ich kenne kein Büro, in dem nicht ein Kühlschrank steht. Ich rede nicht von den menschlichen Kühlschränken, in deren Nähe man friert, ich rede tatsächlich von dem Kühlschrank, den man mit Lebensmitteln und Getränken füllt.
Hier zeigt sich Erstaunliches. Mein heimatlicher Kühlschrank ist immer am Wochenende prall gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten, gegen Mitte der Woche sind die Lieblingsstücke vertilgt und am Ende der Woche herrscht gähnende Leere. Es ist Nachschub erforderlich, und meistens besorge ich diesen Samstag früh um sieben Uhr, wenn die Welt noch schläft und ich den Lebensmittelladen ganz für mich alleine habe.
Nun aber der schwierige Kühlschrank, der Kühlschrank im Büro. Dieser ist ein Abbild für die Zustände in einem Büro. Je mehr Mitarbeiter sich einen Kühlschrank teilen, umso mehr droht Chaos.
In einem gut organisierten Büro sind die Kühlschränke namentlich unterteilt und jeder hat sein Eckchen, wo er die mitgebrachten Speisen bis zum Verzehr kühl halten kann; aber auch das wird schwieriger, je größer die Anzahl der Kühlschranknutzer wird.
So kann man schnell folgendes Phänomen beobachten: Der Kühlschrank ist randvoll, willkürlich werden Lebensmittel (Quark, Joghurt, Aufschnitt, Fertigsalate, Lachs, Frischhalteboxen, Gemüse und Obst) übereinander gestapelt und der Zugriff auf die eigenen Köstlichkeiten wird erschwert.
Für viele gilt das Motto: In den Kühlschrank und aus dem Sinn – und so bilden sich in dem Kühlschrank bei all den vergessenen ehemaligen Leckereien unangenehme Kulturen, Gerüche und sonstige Ablagerungen, die die Benutzung des Kühlschranks zum Albtraum werden lassen. Bei dem Versuch, das eigene Essen aus dem Kühlschrank herauszulotsen, mache ich oft unfreiwillig Station bei Resten, deren Haltbarkeitsdatum schon lange überschritten ist und die in einem Kühlschrank nichts mehr zu suchen haben.
Daher gilt: Zeig mir Deinen Kühlschrank, und ich sag’ Dir, wer Du bist! Wer den Kühlschrank schlecht behandelt, behandelt auch alle anderen schlecht. Was ich in den Kühlschrank hineinräume, das muss ich auch wieder herausnehmen, denn es ist nicht die Aufgabe der anderen Nutzer, mir meinen Kram hinterherzuräumen.
Wenn ich für die Organisation eines Büros zuständig bin, hat der Kühlschrank oberste Priorität, nur so vermeide ich frostiges Büroklima. Für mich gilt, dass im Kühlschrank nur Notfristen liegen, die besonders pfleglich behandelt werden müssen.
Ihre G. Baumgärtel