Startseite » Leitartikel » 2011 » Kolumnen » Der Kleiderschrank

Der Kleiderschrank

Warum soll es mir besser gehen, als Ihnen? Selbstverständlich habe ich einen Kleiderschrank und nach objektiven Maßstäben ist dieser auch randvoll. Aber: Ich habe nichts zum Anziehen! Mein Mann behauptet zwar, dass ich mehr hätte, als eine einzelne Frau im Leben jemals tragen kann, aber wie es Männer so oft tun, er irrt!

Nennen Sie mir eine Frau, die bei dem Zustand ihres Kleiderschrankes objektive Maßstäbe gelten lässt. Das subjektive Empfinden entscheidet hier ganz allein.

Subjektiv habe ich daher nur zwei Kategorien von Kleidung im Kleiderschrank:

Entweder:

a) es gefällt mir nicht

oder

b) es passt mir nicht.

Dazwischen gibt es gar nichts.

Für das Eintreten von a) oder b) kann es verschiedene Gründe geben. So gefällt mir ein Kleidungsstück etwa dann nicht mehr, wenn ich es gefühlte 1000 Mal getragen habe. Na ja und es passt nicht mehr (Variante b) muss ich glaube ich nicht näher erläutern, entweder die Kleidung kneift ganz unerhört, oder sie "schlabbert" an mir herum, beides mag ich nicht tragen.

Aber auch das ist ein bekanntes weibliches Phänomen. Ich miste nicht aus. Stellen Sie sich vor, ich hätte gerade die Kleidergröße 34 aussortiert und plötzlich passt sie mir wieder. Wäre das nicht ärgerlich?

So hatte ich jahrelang schon morgens Frust, bei der Suche nach der Kleidung, in die ich mich hüllen wollte. Vor kurzer Zeit dann aber bin ich auf die rettende Idee gekommen, wie ich der frühen Katastrophe ein Ende bereiten könne.

Nein, nein, was glauben Sie denn, natürlich habe ich nicht ausgemistet, wer weiß ob der Kram von gestern nicht morgen wieder modern ist. Nein, ganz einfach, ich lege mir jetzt am Abend heraus, was ich am nächsten Tag tragen will. Ich lausche voller Spannung dem Wetterbericht und dann entscheide ich. Und mag es auch Stunden dauern, ich gehe erst ins Bett, wenn mein Outfit für den nächsten Tag komplett zusammen gestellt ist.

Morgens darf ich dann aber nicht kneifen, es wird angezogen, was ich mir herausgelegt habe (und zwar mit Tasche, Schuhen, Schmuck, Hut und sonstigen Accessoires), ich erlaube mir da keine Ausnahme. Wenn ich plötzlich auf das, was ich mir herausgelegt habe, keine Lust mehr habe, dann habe ich einfach Pech gehabt.

Seit dem ich damit angefangen habe, ist jeder Morgen um einiges harmonischer, ich bin sie – zumindest schlaftrunken am Morgen los, die Frage, die die Welt bewegt:

Was ziehe ich bloß an?

Vielleicht bin ich deshalb kein besserer Mensch, meine Klamotten sind auch nicht toller, aber ich gehe entspannter zur Arbeit und das ist es mir wert.

 

Ihre

G. Baumgärtel

Anmeldung für Mitglieder


Die neuesten Beiträge im Forum: ausblenden einblenden