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Auf Safari

Wenn Sie mich fragen würden, ob ich abenteuerlustig bin, würde ich vermutlich vehement verneinen. Ich mag Sicherheit, Beständigkeit und geregelte, vorhersehbare Abläufe. Mich als spontan zu bezeichnen, wäre verfehlt. Ich plane und organisiere gern und das Überraschende ist mir dann willkommen, wenn es um Geschenke geht.

Ausgerechnet mich verschlägt es in die Wildnis. Eins kann ich Ihnen versichern, ich bin ein Großstadtmädel. Auf High Heels im Kleid mit schicken Accessoires fühle ich  mich wohl, aber wehe, wehe, ich trage Botten. Damit meine ich Schuhe, für die eine Frau eigentlich kein Geld ausgeben darf. Quadratisch, praktisch, hässlich, aber gut für die Safari – die ziehe ich nie wieder an und muss jetzt also häufiger auf Safari gehen, damit sich die Investition für diesen überteuerten Schuh lohnt.

Gewandet im Khakihosenanzug aus Baumwolle (ich bevorzuge Seide, Viskose, Kaschmir, Schurwolle und sonstige edlere Stoffe), der an Hässlichkeit kaum zu überbieten ist (warum müssen praktische Dinge so hässlich sein???) sitze ich im Jeep und um mich herum ist nur Stille. Alle Geräusche, die ich höre, sind mir fremd.

Ganz im Ernst, nie hätte ich gedacht, dass das Gebrüll eines Löwen so laut ist (hoffentlich kommen die nicht in meinen Jeep). Auf der Piste (Straße kann man das nicht nennen) steht mitten im Weg ein Elefant anstelle eines Lastwagens – und daran bin ich ja aus der Großstadt schon gewöhnt, an diesem Elefanten führt kein Weg vorbei. Aber ich habe ja Zeit, ich habe Urlaub und beobachte voller Staunen, mit welcher Engelsgeduld der Elefant den Baum entblättert und Berge von Nahrung in sich hinein stopft. So ein Elefant, der hat Muße, der lässt sich durch so einen winzigen Jeep nicht stören und ich schweige still, will ich diesen Riesen doch gar nicht auf den dagegen klein anmutenden Jeep aufmerksam machen. Mit Sicherheit kann der Elefant den Jeep ohne große Anstrengung platt walzen.

Dann beobachte ich eine Nashornfamilie, ach wie putzig, ganz wie bei den Menschen, die Nashornmutter geht in Angriffsposition, als sie uns bemerkt, um ihr Nashornbaby zu schützen. Daraus lernt jeder sofort, leg Dich nie mit einer Mutter an, (insbesondere, wenn die Mutter ein Nashorn ist), diesen Kampf kannst Du nicht gewinnen.

Nur zu gern, wäre ich ausgestiegen, um dieses Nashornbaby zu befühlen, aber aussteigen ist strengstens verboten (viele giftige Schlangen tummeln sich auf dem Boden, ganz wie bei den Menschen und das muss man mir nur einmal sagen, da bleibe ich brav sitzen). Zebras, Büffel, Antilopen, Nilpferde alles life, echt und in Farbe.

Und nach ein paar Tagen wilde Safari, habe ich auch vergessen, dass es Internet gibt, richte mich, was die Zeit betrifft nach der Sonne (ich stehe mit der Sonne auf und gehe mit ihr schlafen) und könnte fast auf die Idee kommen, diesem Leben den Vorzug zu geben. Aber dann, dann höre ich ihn den Lockruf der Zivilisation, ich will ins Kino, ins Konzert, ins Theater und hören, wie der Straßenlärm mich in den Schlaf wiegt.

So eine Safari ist wunderbar, aber wenn ich genau hingucke, habe ich das alles auch in der Großstadt, nur in anderer Gestalt.

Ich komme also nach Hause!

 

Ihre G. Baumgärtel

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