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Vergesslichkeit
Ich leide nicht unter Alzheimer, ich leide unter extremer Vergesslichkeit. Mit meiner Vergesslichkeit mache ich mir das Leben selbst schwer und kämpfe, seitdem ich denken kann, gegen diese Schusseligkeit an.
Ich kann jetzt nicht einmal behaupten, dass es bei mir mit zunehmendem Alter schlimmer geworden ist, ganz im Gegenteil, in jungen Jahren hat mich meine Vergesslichkeit nur noch mehr gequält als heute, denn heute kann ich die Vergesslichkeit ja wenigstens auf mein Alter schieben.
Ein Beispiel: Ich sitze im Büro und stelle fest, dass mir Büroklammern, Post it-Blöcke und Fernsprechblöcke fehlen. Weil ich auf dem Weg zur Vorratskammer auch an dem Kopierer vorbeikomme, nehme ich auch gleich eine Akte mit, in der ich etwas kopieren will. Soweit, so gut.
Ich stehe auf, greife die Akte, gehe in die Vorratskammer, ich nehme, Büroklammern, Post it-Blöcke und überlege fieberhaft, was mir noch fehlte. Es fällt mir nicht ein, ich gehe, mit der Akte unter dem Arm, zurück an meinen Platz, verstaue meine „Schnäppchen“, es geht ein Telefonat ein – und – jetzt endlich weiß ich es wieder, was ich vergessen habe, die Fernsprechblöcke. Also wird die Notiz auf einem Blatt Schmierpapier angefertigt.
Damit ich die Fernsprechblöcke nicht vergesse, stehe ich sofort nach dem Telefonat auf, renne los zur Vorratskammer, greife mir gleich drei Blöcke, schippere an meinen Arbeitsplatz zurück, setze mich hin und greife nach der Akte, die ich bearbeiten will.
Tja, ich habe die Akte zwar brav durch das Büro getragen, aber die Kopie, die ich jetzt brauche, die habe ich vergessen. Nun heißt es ja: „Jeder Gang macht schlank“. Bei den vielen Gängen die ich mache, müsste ich die Figur eines Top Models haben, dem ist aber leider nicht so, also kann ich dieses Gerücht widerlegen und feststellen, jeder Gang kostet Zeit.
Abends nach Büroschluss möchte ich dann noch schnell einige Lebensmittel einkaufen. Ich habe mir, damit ich nicht wieder die Hälfte vergesse auch einen wunderbaren Zettel geschrieben. Dieser Zettel nun aber, der liegt auf dem Tisch, wo ich ihn habe liegen lassen und nützt mir gar nichts, ich habe ihn mal wieder vergessen.
Ich kaufe ein und zu Hause wird mir auffallen, was fehlt und ich darf, wenn es etwas elementar Wichtiges war, noch einmal losstürzen, um es zu kaufen.
Was mich erfreut ist, dass es anderen nicht anders geht. So habe ich im Auto immer einen Schirm. Den hat sich letztens mein Mann ausgeliehen und so hatte ich im Auto keinen Schirm mehr, als ich ihn brauchte, weil ich meinen sonstigen Schirm zu Hause vergessen hatte.
Irgendetwas wollte ich Ihnen unbedingt noch erzählen, aber es fällt mir einfach nicht ein, ich habe es vergessen. Na gut, dann hole ich das eben nach, wenn es mir wieder eingefallen ist und schreibe demnächst eine Kolumne darüber, wie es ist, sich daran zu erinnern, was man alles vergessen hat.
Ihre G. Baumgärtel