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Montagskolumne von G. Baumgärtel: ReNo - ein Traumberuf?
Wussten Sie eigentlich schon, dass Jennifer Lopez (JLo) auch einmal in einer Anwaltskanzlei gearbeitet hat? In einem Interview äußerte sich JLo allerdings nicht positiv über ihre Zeit in einer Anwaltskanzlei und fand die Arbeit „langweilig“.
Als ich dieses Interview gelesen habe, habe ich mich natürlich sehr geärgert, denn da hat mal wieder eine Nicht-ReNo gezeigt, dass sie nicht mehr drauf hat, als gerade mal Diva zu sein (und das können wir auch alle). Langweilig kann man unseren Beruf nur finden, wenn man ihn nicht beherrscht und keine Ahnung hat, welche Vielfalt er bietet.
Aber ist der Beruf der ReNo auch ein Traumberuf?
Als ich mich für den Beruf der ReNo entschieden habe, hatte ich nur eine vage Vorstellung davon, was mich eigentlich erwarten würde. Gerade der Beginn der Ausbildung ließ mich zweifeln, ob ich wirklich die richtige Berufswahl getroffen habe. Viele eher mechanische Arbeiten (Akten anlegen, Akten heraussuchen, Post zu den Akten sortieren) waren nicht so, dass sie meine Leidenschaft für den Beruf erweckt haben.
Aber es kam und wurde besser. Mein erster Mahn- und Vollstreckungsbescheid war unglaublich. Ich hatte das Formular ausgefüllt, das noch Jahrzehnte Grundlage einer Zwangsvollstreckung sein sollte (ich habe den manuellen Mahnbescheid benutzt, der automatisierte kam erst viel später).
Meine erste Vergütungsrechnung hat eine Begeisterung in mir geweckt, die bis heute anhält. Ich habe eine Akte durchstöbert nach Gebührentatbeständen und daraus eine Rechnung mit ganz vielen Paragraphen gezaubert. Noch heute liebe ich es, Rechnungen zu schreiben. Noch mehr liebe ich es, wenn ich den Zahlungseingang auf dem Bürokonto feststellen kann.
Meine erste Zwangsvollstreckung, war zwiespältig. Damals hatte ich noch Mitleid mit dem Schuldner (ich pfändete einen Gehaltsanspruch), welches heute komplett verschwunden ist. Was war ich aufgeregt, als die Drittschuldnermitteilung zum Ergebnis hatte, dass die Zwangsvollstreckung ein Erfolg war.
Auch meine erste Auseinandersetzung mit einem Rechtspfleger zur Frage der Festsetzbarkeit einer von mir geltend gemachten Gebühr werde ich wohl nie vergessen.
Im Notariat durfte ich an Gesellschafterversammlungen teilnehmen, Grundstückskaufverträge abwickeln und zunächst handschriftliche Testamente in eine ordentliche Form bringen.
Natürlich gab es auch viele Diktate zu schreiben, aber dabei gab es eine Menge zu lernen und viel zu staunen. Die lustigen und erfrischenden Telefonate mit Mandanten, die ich im Laufe der Jahre geführt habe, möchte ich nicht missen.
Alles in allem: Unser Beruf ist vielseitig, anspruchsvoll und verlangt unseren vollen Einsatz. Kein Fall gleicht dem anderen, kein Mandat ist langweilig, es gibt immer eine Besonderheit, so dass man als ReNo ununterbrochen aufmerksam und sorgfältig sein muss. Kleinste Fehler können eine unglaublich große Wirkung haben.
Für mich ist und bleibt der Beruf der ReNO daher ein Traumberuf.
Ihre G. Baumgärtel