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Telefon

Als junges Mädchen und als junge Frau hatte ich ein harmloses Laster. Ich telefonierte gerne. Damals gab es in Berlin noch einen Einheitstarif (Handys kamen erst viel später). Gleichgültig, wie lange das Gespräch dauerte, man zahlte nur 23 Pfennige (ca. 11,5 Cent) pro Telefonat. So liegt mein Rekord (ununterbrochenes Telefonieren mit einer Person, ohne das Gespräch durch auflegen zu beenden) bei acht Stunden! Und ich habe meine Mutter zur Verzweiflung getrieben, denn wann auch immer sie telefonieren wollte, es war sicher, ich hockte mit dem Telefon (natürlich mit Schnur, schnurlos kam auch erst viel später) in meinem Zimmer und tauschte wichtige Nichtigkeiten mit meinen Freundinnen aus, in der Regel mit meiner besten Freundin.

Nach dem Abitur kam dann die Ausbildung zur ReNo und in meinem Lehrbüro war es undenkbar, dass eine Auszubildende das Telefon bediente. Die Mandanten erwarteten fachliche Kompetenz und die fehlte mir gerade zu Beginn der Ausbildung natürlich.

Nach Beendigung der Ausbildung wechselte ich den Arbeitgeber und da hatte ich es dann, das Telefon. Ich war Alleinkraft und musste alles machen, Banddiktate schreiben, Akten anlegen, Sachbearbeitung (insbesondere Kostenrechnungen und Zwangsvollstreckung), Buchhaltung und natürlich das Telefon.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie oft in einem Anwaltsbüro am Tag das Telefon klingelt? Ununterbrochen muss man freundlich und höflich auf den Gesprächsteilnehmer eingehen und seine Wünsche erfüllen oder Fragen (teilweise merkwürdiger Art) beantworten. Selbst bei allerbester Organisation, das Telefon sorgt dafür, dass man ständig eine Arbeit beiseite legen muss und sich einer ganz anderen Aufgabe – dem Telefonat - stellen muss.

Und so kam es, was ich nie erwartet hätte: ich telefoniere privat nicht mehr gern, ich bin ein ausgesprochener Telefonmuffel. Ich habe ein Handy, mein Handy ist permanent auf lautlos geschaltet. Ich habe zu Hause (selbstverständlich) ein Telefon mit Festnetzanschluss und warte, wenn es klingelt, darauf, dass jemand anderes aus meiner Familie an das Telefon geht, Hauptsache, ich muss nicht an das Telefon gehen. Kenner wissen, dass man mich am Besten mit einer E-Mail erreicht. Ist der Lautsprecher im Computer ausgestellt, dann macht eine E-Mail keine Geräusche (vergleiche AOL: „Sie haben Post“ u.a.).

Wenn man also die Risiken und Nebenwirkungen unseres Berufes darstellen sollte, dann sind wir u.a. extrem vorsichtig (man weiß ja nie, welche Folgen ein Handeln haben kann, wir haben Dinge gesehen, die man eigentlich nicht glauben kann), neigen darüber hinaus dazu, uns schriftlich auszudrücken und viele hegen eine Abneigung gegen das Telefon. 

Nun heißt es ja allgemein, dass Frauen mehr telefonieren würden als Männer. Diejenigen, die diese „Statistik“ erstellt haben, haben einfach keine ReNos befragt. Ich weiß von genügend anderen Kolleginnen und Kollegen, dass die Freude am Telefonieren durch den Beruf erheblich eingeschränkt worden ist.

Wenn wir ReNos also jemandem sagen: „ich rufe Dich an“, dann drücken wir damit aus: „ich will Dich nie wieder sehen“. So einfach ist das, jedenfalls bei manchen ReNos.

Ihre G. Baumgärtel

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