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Stressbewältigung

Bücher, Ratgeber und Aufsätze zur Stressbewältigung gibt es am laufenden Meter, aber bisher ist mir nichts begegnet, was in Stresssituationen wirklich überzeugt.

Was tue ich, wenn drei Telefone gleichzeitig klingeln, ein fristgebundener Schriftsatz fertig zu stellen ist und bis Feierabend nur noch 20 Minuten sind? Ganz einfach: Ich mache Überstunden, das ist die modernste Form der Stressbewältigung, die ich kenne, die Arbeitsdauer einfach entsprechend dem Anfall der zu leistenden Arbeit erhöhen.

Aber, so denke ich, was tue ich, wenn es aus persönlichen Gründen ganz und gar  ausgeschlossen ist, dass ich meine Arbeitszeit verlängere und so dem Druck und dem Stress ein Ausweichventil biete. Was, wenn die Leistung, die ich erbringen soll, weder von mir noch von einem Dritten realistisch in der vorgegebenen Zeit erbracht werden kann? Letztens habe ich gelesen, dass man dann einfach die Stressursache beseitigen soll.

Ach so, ganz einfach, ich beseitige meinen Chef oder den Auftraggeber (das ist in 20 Minuten vermutlich sogar zu erledigen) und habe den Stress abgebaut? Wirklich weiter hat mir der Tipp mit der Stressbeseitigung nicht geholfen.

Nun denn, mir wird vorgeschlagen, ich soll richtig atmen. Ich habe zwar keine Vorstellung, warum durch „richtiges Atmen“ meine Schreibgeschwindigkeit erhöht werden kann, aber ich versuche es. Ich atme tief in den Bauchraum ein und beginne, mich wirklich ruhiger zu fühlen. Leider liegen jetzt meine Finger lethargisch auf der Tastatur, weil ich mich so auf das Atmen konzentriere, dass ich nicht dazu komme, das zu tun, was getan werden muss: Dem Diktat lauschen und die Frist fertig stellen.  

Vor lauter Panik, beginne ich zu zittern, wenn ich jetzt den Stressbewältigungsvorschlägen folge, müsste ich die Muskeln meiner Finger anspannen, undenkbar, so zu schreiben. Es muss mir also gelingen, meinen Panikanfall zu überwinden und ruhig und gelassen zu schreiben.

Während ich also beschließe, zu versuchen das Unmögliche möglich zu machen und den Stress verdränge, merke ich, wie meine Hände Höchstleistung vollbringen, bloß nicht hingucken, sonst verknoten sich meine Finger noch.

Stressbewältigung hängt von der Art des Stresses ab, dem man ausgesetzt ist. Ich kann persönlichem Stress doch ganz anders begegnen, als beruflichem.

Im Beruf ist Stressbewältigung für mich, die Ruhe zu bewahren und das Unmögliche zu wagen und jemanden zu kennen, der ggf. einspringt, wenn man die Arbeit selbst nicht fertig stellen kann.

Insofern, lang lebe die Kollegin oder der Kollege, die mich dann unterstützen, wenn ich sie brauche, nämlich dann, wenn ich meine Arbeit nicht allein bewältigen kann. Das ist Stressbewältigung.

Ihre G. Baumgärtel

  

 

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