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Schnee

Wer gedacht hat, nach dem letzten langen und kalten Winter würde es dieses Jahr einen milden, lauen Winter geben, der sollte schnell eines Besseren belehrt werden. In Berlin sind es minus 10 Grad (Unverschämtheit!) und es schneit seit ein paar Tagen ohne Unterbrechung. Und hier muss ich Ihnen gestehen, dass ich den Winter mag, wenn er weiß ist.

Ich liebe Schnee.

Leider habe ich kein Kleinkind mehr, das mir als Vorwand dafür dient, hemmungslos im Schnee herumzutollen – mein Sohn hebt fragend seine linke Augenbraue, wenn ich sage: „Komm, lass uns draußen im Schnee spielen!“. Er ist jetzt in einem Alter, wo es überhaupt nicht cool ist, mit der Mutter im Schnee zu toben.

Also muss ich alleine ran und habe damit überhaupt keine Probleme. Ich baue eine Schneefrau (schließlich brauchen all die Schneemänner ja eine Gefährtin für einen Winter) und ziehe unverdrossen mit dem Schlitten zum Rodelberg. Da bin ich eine der wenigen, die ohne Kind sich immer wieder auf den Schlitten stürzen, aber ich liebe waghalsige Schlittenfahrten.

Meine Schneefrau ist übrigens durch zwei Orangen und ein Kopftuch deutlich als weiblich zu klassifizieren, als Augen dienen zwei Kastanien, die Nase ist eine Mohrrübe und ich bin froh, dass in meinem reichhaltigen Fundus immer genügend Dekorationsmaterial vorhanden ist, das ich entbehren kann.

Und dann – ich bekenne es – ich liebe den Geschmack von Schnee. Herrlich kalt, herrlich nass und ich kann es nicht lassen: Ich esse Schnee wie andere ein Hauptgericht (natürlich nur sauberen Schnee aus meinem eigenen Garten, den habe ich quasi selbst gezüchtet).

Auch das unglaubliche Gefühl, wenn man Schnee mit bloßen Händen berührt: diese Hitzeexplosion in allen Nerven, bis irgendwann einmal das Kältegefühl obsiegt.

Ich liebe es, meine Fußstapfen in frischen Schnee zu setzen und komme mir ein wenig vor wie Robinson Crusoe, wobei ich noch auf der Suche nach meinem Freitag bin.

Ich liebe die Stille, die zu Schnee gehört, wie leise so eine Schneeflocke doch zur Erde taumelt, wie elegant, leicht wie eine Feder... und ganz viele von den Schneeflocken ergeben dann Schneeberge.

Die lustigen Skulpturen, die sich bilden, wenn Schnee alles bedeckt, die Bäume, die Sträucher, alles sieht ganz anders aus. Und mein Auto finde ich auch nur deshalb wieder, weil ich weiß, wo ich es zuletzt abgestellt habe, die ganze Straße herunter sehen alle Autos gleich aus.

Manchmal wünsche ich mir schneefrei, um stundenlang durch die weiße Pracht laufen zu können. Sicher, in der Großstadt gibt es viele Stellen, da sieht der Schnee schnell hässlich aus; aber dafür kann der Schnee doch nichts, dass er gerade in einer Großstadt liegen bleibt.

Dieses Wochenende werde ich ganz dem Schnee widmen, viel zu schnell ist er wieder verschwunden und das düstere graue Einerlei kehrt zurück.

Ihre G. Baumgärtel

 

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