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Die Mücke
Herrlich, endlich Sommer und wunderbar laue Abende. Nach Feierabend lohnt es sich, den Abend ausgiebig zu genießen. Ich stürze in meine Wohnung und reiße abends alle Fenster auf. Ich wohne seit sieben Jahren zu ebener Erde und im ersten Stock und nehme mir seit diesen sieben Jahren vor, Fliegennetze vor den Fenstern anzubringen, damit die Wohnung frei von all dem Getier ist, was der Sommer so mit sich bringt.
So ist das mit den guten Vorsätzen, man erinnert sich wieder an sie, wenn man die Durchführung derselben gebrauchen könnte.
Wie so oft sitze ich abends und lese noch in einem Buch (zurzeit Dan Brown). Irgendwo in der Wohnung ist ein Licht an und die Fenster und Terrassentüren sind weit offen, um viel von der Sommerluft in die Wohnung zu lassen.
Irgendwann bin auch ich müde und ich bereite mich auf die Schlafenszeit vor. Erst duschen, dann ausgiebig cremen, dann die Haare bändigen, schnell in die Küche huschen, einen Betthupferl naschen und dann Zähne putzen.
Gekleidet in schwarze Seide (natürlich schwarz, was sonst?), die im Sommer schön kühl ist, schlüpfe ich ins Bett, schalte das Licht aus, suche die richtige Schlafposition und seufze einmal voller Zufriedenheit, als ich mich dem Schlaf hingeben will.
Ich bin schon fast im Land der Träume angelangt, auf einmal: bsssssssssssssssssss.
Eine Mücke im Sturzanflug auf mein Ohr. Es verlangt sie gierig nach meinem Blut. In der Sekunde, in der ich mit der Hand um mich schlage, sitze ich auch schon aufrecht im Bett, taste halbblind (meine Brille liegt auf dem Brillenständer) nach dem Lichtschalter und mein Herzschlag ist nach oben geschnellt.
Ich bin tierlieb, wirklich, aber bei Mücken, da hört meine Tierliebe auf. Mücken gehören nicht in meine Wohnung, sie trinken mein Blut, verursachen furchtbar juckende Beulen und sind eine Plage. Daher bin ich fest entschlossen, dass mein Blut mir gehört, ich teile es nicht mit einer Mücke. In meinen Schlafzimmer ist nur Platz für eine von uns beiden.
Während mein Mann tief und seelig schläft und von dem Mückenalarm nichts mitbekommt, suchen meine Augen hektisch alle Flächen ab, auf der Suche nach der Mücke. Diese Biester sind klein und ich kann die Mücke nicht finden. Vielleicht labt sie sich ja auch gerade an meinem Mann.
Aber das ist eher unwahrscheinlich, denn wenn ich irgendwo in der Nähe bin, muss sich niemand mehr über Mückenstiche Sorgen machen. Mücken lieben mich, ich übe auf sie eine Anziehungskraft aus, die ich gern an anderer Stelle hätte. Setzen Sie mich, meinen Mann und meinen Sohn in einen Raum mit 20 Mücken und machen das Licht aus. Nach fünf Minuten habe ich 40 Mückenstiche und mein Mann und mein Sohn sind unbehelligt davon gekommen.
Aber es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma. Ich renne in die Küche, schmiere mich mit Antimückenlotion ein und gehe hinterhältig grinsend zurück ins Schlafzimmer. Nun werde ich nicht gestochen und die Mücke muss sich leider ein anderes Opfer suchen. In Frage kommt nur noch ein Opfer: mein Mann. Aber ich kann ihn doch jetzt nicht allen Ernstes wegen einer Mücke wecken, ich glaube da hätte er kein Verständnis. Er rät mir ja auch immer, Mückenstiche einfach zu ignorieren, wenn es mich mal wieder erwischt hat, das werde ich ihm dann vor Freude strahlend morgen auch raten.
Ich lege mich hin, schlummere wieder ein und vernehme in der Ferne: bssssssssssss
Hach, was bin ich gemein.
Ihre G. Baumgärtel