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Mittagspause
Jeden Arbeitstag wieder ergibt sich ein folgenschweres Problem: Was esse ich heute?
Jeden Mittag erneut beneide ich all diejenigen, die über eine Kantine verfügen und das Essensproblem schnell und ohne großen Aufwand lösen können. Natürlich kenne ich auch Kantinen, die ich nicht aufsuchen möchte, deren Angebot an Nahrung mich nicht lockt, sondern eher die Gefahr beinhaltet, ernsthaften Schaden an Leib und Seele zu nehmen. Aber bei einer guten Kantine gibt es ein reichhaltiges Angebot und für jeden ist etwas dabei.
Kantine scheidet aus, was bleibt ist das großzügige Angebot an Fastfood. Ich könnte Currywurst mit Pommes vertilgen, Döner, Pizza, verschiedene Sorten an belegten Brötchen, Burger oder Chinesisch und natürlich Süßigkeiten (Kuchen & Co.) in unendlicher Vielfalt.
Gerade im Sommer kommt für mich keine dieser Alternativen in Frage. Ich möchte es leicht, am liebsten einen schönen Salat und dazu – wie es sich gehört – eine große Cola Zero. Ich habe es mittlerweile aufgegeben, darauf zu hoffen, unterwegs einen Salat zu finden, der auch wirklich schmeckt.
Letztens wieder bestellte ich mir einen Salat zum Mitnehmen. Dieser bestand zu 90 % aus Salatblättern, garniert mit zwei Minitomaten, zwei Scheiben Möhre und einer Scheibe Gurke. Das ist kein Salat, das ist eine Zumutung.
Also bleibt mir oft nichts anderes übrig, als morgens früher aufzustehen und mir mein Mittagessen schon vorzubereiten. Und so bereite ich nicht nur das anspruchsvolle Frühstück vor (Obstsalat, frischer Saft, Kaffee und Tee, Joghurt und Müsli), nein, ich schnipple auch Gurke, Tomate, gelbe, orange und rote Paprika, Möhren, Mais, Avocado, Radieschen, Rettich und eine handvoll Salatblätter, die in einen großen Behälter zum Mitnehmen gepackt werden. Wenn ich am Vortag fleißig war, dann habe ich auch etwas Putenbrustfilet, um das Ganze abzurunden. Das Dressing kommt in ein dafür vorgesehenes Marmeladenglas, und nun fehlt nur noch etwas Brot und die Mittagspause ist gerettet. Diese Mahlzeit schmeckt mir immer.
Wenn ich möchte, dass ich meine Mittagspause als misslungen empfinde, dann schmiere ich mir Pausenbrote. Egal wie sehr ich mich anstrenge; wann immer ich die dann verzehre, sie schmecken mir nicht mehr und ich fühle mich in die Schulzeit zurückversetzt, als ich die Pausenbrote meiner Mutter essen musste. Ein nicht weichen wollender bleibender Schaden ist für alle Zeiten vorhanden.
Und letztens, da hörte ich von dem Paradies auf Erden. Ich kenne eine Anwaltskanzlei, die einen Koch beschäftigt, der dafür sorgt, dass es abwechselungsreiche und schmackhafte Nahrung zum Mittagessen gibt. Ich bin vor Neid fast grün geworden, bei der Vorstellung, jeden Tag das Problem mit der Mittagspause gelöst zu haben. Selbstverständlich möchte ich das jetzt auch haben, es kann doch nicht so schwer sein, einen Koch zu finden, der diesen Teilzeitjob gerne übernimmt. Aber ich träume und weiß, diese Lösung wird es für mich nicht geben und so verschwende ich meine Gedanken wieder damit, darüber nachzudenken, was ich um Himmels willen denn nun essen soll.
Ihre G. Baumgärtel