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Männer und Frauen
Nein, ich beginne jetzt nicht mit der üblichen Aussage, dass Männer und Frauen einfach unterschiedlich sind. Gestern erst durfte ich erleben, dass die Gräben, die uns trennen, eher marginaler Natur sind.
Durch einen glücklichen Zufall war ich plötzlich Single. Mein Sohn übernachtete bei einem Freund und mein Mann war zur Fortbildung in München. Selbstverständlich habe ich diese seltene Gelegenheit sofort ausgenutzt und zwei Freundinnen zum Frauenabend zu mir eingeladen, der überaus gelungen war. Wir waren laut, wir waren fröhlich und wir waren frei und gute Getränke gab es auch.
Am nächsten Tag beschloss ich, die Gunst der Stunde zu nutzen. Ich wollte nicht kochen, ich wollte ganz allein essen gehen. Durch meine berufliche Tätigkeit bin ich darin schon trainiert und in greifbarer Nähe (sechs Stationen mit dem Bus ohne umsteigen) befindet sich ein wirklich leckeres Steakhouse. Kurz entschlossen machte ich mich auf den Weg.
Das Restaurant war proppenvoll (wo ist die Wirtschaftskrise, wenn man sie braucht?), ich ergatterte einen kleinen Tisch und saß zwei Männern fast auf dem Schoß, aber gemeckert wird nicht, ich hatte einen Platz, konnte Essen bestellen, mehr brauchte ich nicht.
Durch die Enge konnte ich es nicht vermeiden, den Gesprächen der beiden Männer zu lauschen und meine Ohren wurden immer größer. Nur mit Mühe konnte ich es vermeiden, dass sich mein Mund zu einem staunenden „O“ öffnete.
Nennen wir die beiden Peter und Michael (sämtliche Namen sind frei erfunden!), erst ließen sich die beiden Herren im Alter um die vierzig endlos über einen Freund aus, der einen neuen BMW 5er fährt. Übereinstimmend kamen die beiden, gebeutelt von Neid, zu der Erkenntnis, dass Wolfgang jetzt vermutlich hungern müsse und heizen könne er sich auch nicht mehr leisten.
Und dann ging es richtig zur Sache. Die Frauen, Freundinnen, Lebensgefährtinnen aller gemeinsam Bekannten wurden in einer Skala von 0 – 10 bewertet und an keiner Frau ließen die beiden ein gutes Haar. Die eine war zu üppig, die andere hatte eine Lederhaut, die dritte im Bunde war zu klein, die vierte hatte schreckliche Haare, die fünfte kleidete sich wie ein Clown und so ging es weiter.
Farbenprächtig und ausführlich wurden die Frauen geschildert, sodass ich mir gut vorstellen kann, Ines, Sabine, Dagmar, Sigrid, Susanne (die Namen sind frei erfunden) wieder zu erkennen, wenn ich sie zufällig einmal treffen sollte.
Ich bemühte mich, ein unbeteiligtes Gesicht zu machen und nicht zu zeigen, dass ich voller Faszination lauschte. Aber das, was ich da gehört habe, das hätte in einer gemütlichen Lästerrunde zwischen zwei Frauen in gleicher Art und Weise diskutiert werden können. Vielleicht hätten wir nicht den BMW 5er bewertet, aber das Outfit der anderen, die sich im Fokus unserer Gespräche befindet, hätten wir auch nicht besser zerpflücken können, als die beiden es taten.
Als dann einer der beiden wegen seiner Figur (Zitat Peter: „Ich habe in letzter Zeit 25 kg zugenommen, ich muss aufpassen“) auf eine Nachspeise verzichtete, da lehnte ich mich entspannt zurück.
Wenn es ums Lästern und Figurprobleme geht, dann sind Frauen und Männer kein bisschen unterschiedlich, es besteht noch Hoffnung für ein friedliches Miteinander.
Ihre G. Baumgärtel