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Montagskolumne von G. Baumgärtel: Kein Weg zu weit

Ich muss üblicherweise morgens zur Arbeit fahren und hatte jetzt jahrelang den Luxus, diese Fahrt mit dem eigenen Auto erledigen zu können. Aber durch einen Verkehrsunfall (ich war nicht schuld!) ist mein Auto ein Wrack (ein Totalschaden) und ich bin, wie in meinen jungen Jahren, auf die Öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen, ich fahre Bus, U-Bahn oder S-Bahn.

Und da beginnt das morgendliche Abenteuer.

Als erstes muss ich mich entscheiden, was ich anziehe. Wartezeiten sind nicht auszuschließen und Deutschland ist im Dauerfrost gefangen. Ich kleide mich gerne klassisch elegant im Kostüm oder Kleid und dazu ein paar Pumps. Undenkbar so das Haus zu verlassen, will ich nicht Erfrierungen und Schlitterpartien  in Kauf nehmen.

Also verwandele ich mich in eine Zwiebel und trage diverse Schichten, die die Kälte abhalten sollen. Egal, was ich anziehe, es ist nie genug, ich friere trotzdem, wenn ich auf den Bus oder die S-Bahn warte.

Ich gebe ja zu, mein Auto war morgens kalt, wenn ich eingestiegen bin, aber es hatte den Vorteil direkt vor der Haustür zu stehen, auf mich zu warten und den unglaublichen Luxus einer Sitzheizung.

Jetzt heißt es: Ich muss warten. Meist kommt der Bus, der mich in Richtung Stadt fährt pünktlich, aber gerade bei diesen Witterungsverhältnissen, sind Verspätungen nicht auszuschließen.

Und ich friere, friere und friere.

Im Bus sitzend, beschließe ich, dass ich kein Fernsehprogramm mehr benötige. Was ich auf dem Weg zur Arbeit an lustigen Ereignissen erlebe, ist besser als „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder eine andere vergleichbare Serie.

Heute früh stieg ein Mann in den Bus und wollte den Busfahrer mit einem Keks bezahlen. Ich fand die Idee überaus originell, habe dann aber überlegt, wie ich es finden würde, wenn ein Mandant mit Keksen bezahlen wollte und war ernüchtert.

Im Büro angekommen, begebe ich mich erst einmal direkt zu einer Wärmequelle (Heizung) und beginne dann, mich Schicht für Schicht zu verwandeln, da ich ja schlecht mit meinen Moonboots (überaus elegante Schuhe, die ein schlankes Bein bewirken) arbeiten kann, müssen die Ersatzschuhe erst einmal auf die Heizung, sonst kann ich sie nicht anziehen.

Während ich darauf warte, dass ich so warm werde, dass ich meine Finger über eine Tastatur schweben lassen kann, kommt mir unwillkürlich der Vergleich der ReNo mit einer Raupe und einem Schmetterling. Kaum im Büro angekommen verwandelt sich die ReNo von der eingemummelten Raupe zum zauberhaften Schmetterling, bei einer ReNo muss man immer mindestens zweimal hinschauen, um zu erfahren, wer sie wirklich ist.

Ihre G. Baumgärtel

 

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