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Montagskolumne von G. Baumgärtel: Hausputz
Es gibt so viele Gelegenheiten, die sich anbieten, um einen Hausputz zu starten. Fast immer bleibe ich standhaft und widerstehe der dringenden Notwendigkeit, meinen mit Nippes und Kram überfüllten Haushalt auf Vordermann zu bringen.
Aber dann, manchmal, da erwischt es mich doch, diese Wut, die man Putzwut nennt. Ich ziehe ein hochmodisches Outfit an (Leggings, Schlabberpulli, dicke Socken, einen Haarschutz (meist ein Kopftuch) und an die Hände kommen Handschuhe, damit die diversen Putzmittel nicht deutliche Spuren an meinen Händen hinterlassen.
Ein, zwei, fix wird das benötigte Material zusammen getragen, Eimer, diverse Lappen, eine reichhaltige Auswahl der unterschiedlichsten Putzmittel (z.B. Silberputzzeug), Staubwedel, Leiter und natürlich darf der Staubsauger nicht fehlen.
Und dann bin ich glücklich über die Segnungen der Technik. Ich packe meinen ipod auf mein iHome, wähle die richtige Musik, schalte die Musik ein und los geht es. Denn mit der richtigen Musik geht mir fast alles leichter von der Hand.
Den Auftakt bildet: „Foreigner“ mit „Urgent“. Genau das Richtige, um sich warm zu putzen und die diversen Räume zum Strahlen zu bringen. Der Staubsauger brummt, und ist kaum zu hören, der Staublappen schwebt fast über die Möble, weil „Foreigner“ mich zwingen, mit wackelnden Hüften den Staubsauger zu betätigen. Die eine oder andere Drehung kann ich auch partout nicht unterdrücken.
ABBA ist bei Putzaktionen einfach unschlagbar gut. Ich singe laut (und falsch) „Money, Money, Money“, stehe auf der Leiter und reinige den Lampenschirm.
Für die Küche empfehle ich „Eartha Kitt“. Mit schallendem Gelächter und purer Lebensfreude singe ich „It`s so nice to have a man around the house (cha, cha, cha)“, schwinge vergnügt mit den Armen beim Abseifen der diversen Küchenschränke (innen und außen) und schaffe den Übergang ins Badezimmer.
Hier hilft jetzt nur noch Queen um der schimmernden Kachelfläche wieder wirklichen Glanz zu geben. All meine Flakons, Tuben, Pasten und mehr müssen entstaubt werden, aber, als ich bei Marianne Rosenberg angekommen bin („Er gehört zu mir, so wie mein Name an der Tür“) kann mich nichts mehr schrecken.
Nach acht Stunden bin ich fertig (und zwar fix und fertig), habe die Fenster auf später verschoben und gönne mir nach all der Kalorien vernichtenden Betätigung ein Bad in meiner glänzenden Badewanne – zum Ausklang und Belohnung höre ich jetzt Filmmusik aus den 40-er Jahren und stelle wieder fest, dass es weniger schlimm war, als erwartet. Während ich so in der Wanne döse, Teelichter ein romantisches Licht verbreiten, schnurre ich behaglich wie eine Katze, die eine Maus erlegt hat.
Wenn ich vorher gewusst hätte, wie wohl ich mich fühle, wenn ich den Hausputz so gründlich erledigt habe, hätte ich das schon viel früher getan, aber so ist es wohl immer im Leben: Hinterher ist man immer schlauer.
Ihre
G. Baumgärtel