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Montagskolumne von G. Baumgärtel: Frau am Steuer
Ich möchte nie wieder den Spruch hören, Frauen könnten nicht Auto fahren. Wer auch immer mit dem Ausspruch „Frau am Steuer“ aussagen möchte, dass die Fahrkünste schon deshalb eingeschränkt sind, weil eine Frau das Auto bewegt, der möge sich mal in Ruhe eine Unfallstatistik sortiert nach Männlein und Weiblein ansehen.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten:
- Ich bin eine Frau.
- Ich kann in jede Parklücke einparken.
- Ich hatte schon mehrere Verkehrsunfälle.
- Ich war nie schuld.
- Immer war ein Mann der andere Beteiligte am Unfall.
So auch heute. Ich fuhr nichts ahnend mit meinem Auto die Vorfahrtstraße entlang, als ein roter VW Golf mich mit hoher Geschwindigkeit auf der Fahrerseite voll erwischt hat. Neben dem Schock, den ich angesichts der Tatsache erlitten habe, dass ich die Motorhaube des VW Golfes quasi auf meinem Schoß spürte, tanzte mein Auto lustig auf der Straße und drehte erst einmal eine Pirouette, so dass ich, ohne es zu wollen, plötzlich eine Geisterfahrerin war und schleunigst aus dem „Gegenverkehr“ heraus musste.
Was ist geschehen? Ein männliches Wesen wollte in die Vorfahrtstraße, die ich befuhr, einbiegen und ging natürlich davon aus, dass der Männerstatus allein dazu ausreicht, um sämtliche Verkehrsregeln außer Kraft zu setzen. Vorfahrt, das ist etwas für die anderen.
Sie können sich sicherlich vorstellen, dass ich schimpfend wie ein Rohrspatz auf den Unfallverursacher zu eilte und mich schwer beherrschen musste, ihm nicht eine kräftige Ohrfeige zu verpassen. Mein Auto war und ist ein Totalschaden und natürlich bin ich dringend auf mein Auto angewiesen.
Während ich noch schimpfte (okay, ich hatte Marktweibqualität) äußert doch dieser hirnlose Dummbrettfahrer: „Typisch Frau, jeder Mann hätte gebremst, wenn er mich gesehen hätte“. Nun, man soll einen bereits gereizten Braunbär nicht weiter reizen, der gute Mann hat mit Schwung Öl ins Feuer gegossen. Sie verzeihen mir sicher, wenn ich hier nicht wörtlich meine Antwort wiedergebe, diese war nämlich ganz und gar nicht Lady like.
Getröstet hat mich, dass die von mir herbeigerufene Polizei sofort feststellte, dass es „an der Schuldfrage“ keine Zweifel gäbe, das Weitere wird die Auseinandersetzung mit der gegnerischen Versicherung zeigen. Wir werden trefflich streiten über die Frage, ob sich bei meinem 10 Jahre alten Wagen die teure Reparatur noch lohnt, oder ob ich einen Wertersatz erhalte, mit dem ich mich dann bemühen muss, einen funktionsfähigen fahrbaren Untersatz zu erstehen.
Wenn ich den Unfall verursacht hätte, dann hätte ich sofort unumwunden meine Schuld eingestanden und nicht versucht, die Schuld auf anderer Seite zu suchen. Und genau das ist es, was „Typisch Frau am Steuer“ ist, das Bewusstsein für die eigenen Fehler und das Eingeständnis derselben.
Was bin ich froh, dass ich weiß, dass nicht nur Männer die Straßen bevölkern, aber, im Straßenverkehr gilt für besonders ruppiges, ignorantes und gefährliches Fahrverhalten:
“Typisch Mann“!
Ihre G. Baumgärtel