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Montagskolumne von G. Baumgärtel: Fehler
Fehler, Macken, Pannen und andere Possierlichkeiten
Hand aufs Herz: Haben Sie nicht auch Macken und kleine Fehlerchen, die andere zur Weißglut treiben können? Ist es bei Ihnen nicht auch so, dass sich einige Wunderlichkeiten dazu entwickeln, dass Sie auf andere sogar sonderbar wirken können?
Tja, also bei mir ist das so. Ich habe einige Macken, Ecken, Kanten und Fehlerchen, die in ihrer Gesamtwürdigung ein lustiges Bild ergeben.
Beruflich gelingt es mir nur mit äußerster Konzentration, einen Text abzuliefern, der wirklich fehlerfrei ist. Der Tippfehlerteufel ist mein bester Freund und natürlich sehe ich meine Tippfehler nie, denn ich weiß ja, was da stehen müsste. Darüber hinaus bin ich eher mal zu schnell, als zu langsam. Dann mache ich etwas fertig und bei genauem Hinsehen - mit etwas Ruhe - stellt sich heraus, dass es auf andere Weise einfacher und schneller gegangen wäre. Aber es muss ja immer alles schön schnell gehen!
Privat habe ich so einige Macken, die ich mir einfach nicht abgewöhnen kann, ich habe wärmstes Verständnis für den Helden des Filmes „Besser geht`s nicht" (mit Jack Nicholson), der sich die Hände immer mit viel zu heißem Wasser wusch, es nicht ertragen konnte, wenn Fremde ihn berührten und der jeden Morgen im Restaurant an einem ganz bestimmten Platz (mit eigenem extra mitgebrachten Besteck) sein Frühstück eingenommen hat. Nur eine ganz bestimmte Kellnerin durfte ihn bedienen.
Ganz so extrem ist es bei mir nicht, aber, ich wohne in der Großstadt Berlin und Gedränge ist normal. Ich leide immer Qualen, wenn ich in der U-Bahn in der Menschenmasse stehe und das Gefühl habe, gleich zu ersticken. Ich erlebe häufiger Situationen, in denen ich nur mühsam beherrschen kann, nicht zu rufen: „Nicht so nah!“
Oder: Ich trinke leidenschaftlich gern Coca-Cola-light oder Coca-Cola-Zero (ich mag beides), aber: das Getränk muss eiskalt sein und am liebsten ist es mir, wenn sich noch haufenweise Eiswürfel in meinem Glas tümmeln. Das ist eine Macke, die dazu führt, dass ich täglich viel zu viel von diesem Zeugs trinke, aber mir schmeckt Wasser eben nicht.
Eine meiner Schwächen ist, dass ich unglaublich schlecht verzeihen kann. Wenn ich mich gekränkt fühle, dann zieh ich mich in mein Schneckenhaus zurück und werde nicht mehr gesehen. Ein Kraftakt, wirklich zu fühlen „Schwamm drüber“ und zum Alltag zurückzukehren. Nur mit der Vernunft gelingt es mir hier, mich angemessen zu verhalten. Ich kann ja im Büro nicht immer dann fristlos kündigen (das würde ich aber am liebsten), wenn jemand mich verletzt hat.
Natürlich sind das nicht alle meine Macken oder Schwächen, aber ich will mich hier ja auch nicht demontieren. Als eine meiner Stärken betrachte ich, dass ich meine Unzulänglichkeiten sehr gut einschätzen kann und eifrig daran arbeite, Dinge und Eigenschaften zu ändern, die man eigentlich nicht ändern kann.
Letztlich ist der Mensch das Ergebnis seiner Stärken und Schwächen, hätten wir keine Schwächen, dann wären wir nicht zum aushalten!
Ihre
G. Baumgärtel