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Einkaufen
Böse Stimmen behaupten, Frauen hätten ein Lieblingshobby, nämlich einkaufen. Dieses sich hartnäckig haltende Gerücht kann ich aus eigener Erfahrung entkräften. Nicht Frauen kaufen gerne ein, nein, Männer sind es, die sich vor Verzückung nicht mehr halten können, man muss nur den richtigen Laden betreten.
Stellen Sie sich vor, sie betreten am Samstag um 09.00 Uhr früh (ganz meine Zeit) gemeinsam mit Ihrem Partner das Geschäft „Globetrotter“, das einem alles für die Reise rund um die Welt bietet. Nützliche und sinnvolle Kleinigkeiten (für die ich aber keine Verwendung habe), sowie Kleidung, Rucksäcke, Schlafsäcke, Schuhe werden dort auf über 1000 qm angeboten.
Während Sie schon nach 10 Minuten wissen, dass Sie in diesem Laden außer Socken nichts kaufen können (mir ist es völlig schleierhaft, warum praktische Kleidung so extrem hässlich sein muss; ich will so etwas jedenfalls nicht mal dann tragen, wenn mich keiner sieht, der mich kennt – pfui Spinne) taucht Ihr Partner ein in das Paradies dessen, was er immer schon gebraucht hat, immer brauchen wird und nun unbedingt kaufen muss.
Ihr Partner verschwindet in den Gängen; Sie irgendwann resigniert im Café. Sie haben drei paar schwarze Socken gekauft, da diese so schön schlicht waren und könnten jetzt den Einkauf in diesem Praktikerparadies abbrechen. Tja, da fehlt nur einer, Ihr Partner, der wird nicht mehr gesehen. Eigentlich ist Ihr Partner, wenn es um einkaufen geht, von der schnellen Sorte. Wenn Sie ihm in einem Konsumtempel etwas zeigen, bei dem Sie unsicher sind, ob es Ihnen gefällt, sagt Ihr Partner mit gequälter Miene „sieht toll aus“ und leidet bei der Vorstellung, noch mehr Kleidung betrachten zu müssen.
Dies gilt aber dann nicht mehr, wenn er bei Globetrotter (oder auch Technikgroßhandel, Möbeldiscounter, Autohäusern oder Spielwaren) eingekehrt ist. Der Partner verschwindet auf Nimmerwiedersehen und Sie haben hoffentlich ein spannendes Buch dabei, damit Sie die Wartezeit angenehm verbringen können. Im Café, in dem Sie sich ein Stückchen Kuchen gegönnt haben, wechseln Ihre Sitznachbarn und die Zeit vergeht und vergeht. Und Sie warten geduldig auf Ihren Partner, werden ihm keine Vorhaltungen machen, warum er so lange gebraucht hat und seine Errungenschaften angemessen bestaunen und bewerten (Sie werden sagen: „sieht toll aus“ auch wenn Sie denken, „ist abgrundtief hässlich“, denn wenn Sie es nicht tun, dann sitzen Sie noch länger in diesem Geschäft überflüssig auf dem Sofa).
Sie bleiben gelassen, Sie wissen, Sie müssen auf Ihren Partner gut vier Stunden warten, solange wird er brauchen, bis er alles, wirklich alles, gesehen und bewertet hat, ob er es braucht, oder nicht.
Damit ist bewiesen, Frauen kaufen nicht mehr ein, als Männer, sie kaufen in der gleichen Zeit andere Dinge ein. Einkaufen ist nicht nur Frauensache, nur die Jagdobjekte unterscheiden sich.
Trotzdem ist es immer wieder erheiternd, einen Mann bei der „Jagd“ zu beobachten, sind doch Rückschlüsse auf das eigene Verhalten im eigenen Jagdrevier durchaus möglich.
Ihre G. Baumgärtel