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Lateinische Rechtsbegriffe: auch für "alte Hasen"

09.03.2010

Immer wieder trifft man bei juristischen Texten auf lateinische Ausdrücke. Kann man (auch der Anwalt) im Gespräch sein Unwissen noch durch bestätigendes Nicken überspielen, muss man im Diktat genau wissen, wie diese Begriffe geschrieben werden. Es gibt sicherlich Anwälte, die verzichten fast vollständig auf die traditionelle Rechtssprache. Trifft man aber in der Klageschrift auf sie, will man sich ungern die Blöße geben und den Urheber des Textes nach der Schreibweise fragen. Und außerdem ist es doch auch schön, wenn man mitreden kann und die Bedeutung kennt. Daher geben wir hier eine kleine Übersicht über die häufig vorkommenden Begriffe (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) – denn selbst wenn man sich in der Schule mit Latein gequält hat, wer erinnert sich noch an das mühsam Gelernte?

a priori

vom Früheren her gesehen, von vornherein

aberratio ictus

Abirren eines Angriffs

abusus

Missbrauch

actio libera in causa

eine Handlung, die ihrem Grunde nach frei ist

actio pro socio

ein einzelner Gesellschafter kann einen allen Gesellschaftern zustehenden Anspruch gegen einen anderen Gesellschafter geltend machen

actus contrarius

Aufhebungsvertrag

ad acta

zu den Akten, weglegen

advocatus diaboli

Vertreter des Teufels (bringt die bösen Argumente hervor)

alea iacta est

der Würfel ist gefallen

aliud

etwas anderes, eine andere, d.h. vertraglich nicht vereinbarte, Sache

animus auctoris

Urheberwille (Strafrecht)

animus socii

Wille des Gesellschafters (Strafrecht: Anstiftung, Beihilfe)

arbitrium

Schiedsspruch

argumentum a maiori ad minus

Erst-recht-Schluss: „wenn schon.., dann erst recht..“. Folgerung des Schwächeren aus dem Stärkeren

argumentum e contrario

Gegen- oder Umkehrschluss

bona fide

im guten Glauben

boni moris

gute Sitten

conditio sine qua non

notwendige Bedingung

contra legem

gegen das Gesetz

culpa in contrahendo

Verschulden bei Vertragsschluss

de lege ferenda

nach künftigem Recht, d.h. nach dem Gesetz, das erst noch erlassen werden muss. Gegensatz: „de lege lata“.

de lege lata

nach geltendem Recht, d.h. auf der Grundlage des bestehenden Gesetzes. Gegensatz: „de lege ferenda“.

diligentia quam in suis

Sorgfalt in eigenen Angelegenheiten

doctor iuris

Doktor des Rechts

dolus directus

direkter (unbedingter) Vorsatz

dolus eventualis

Eventualvorsatz (bedingter Vorsatz)

dolus generalis

allgemeiner Vorsatz

dolo facit, qui petit, quod statim redditurus est

arglistig handelt, wer etwas verlangt, was er sofort wieder herausgeben müsste

do ut des

ich gebe, damit du gibst

eo ipso

von selbst

error in persona

Irrtum über Personen

essentialia negotii

wesentliche Vertragsbestandteile

ex ante

von vornherein

exculpatio

Aufhebung der Schuld

ex nunc

ab jetzt, also mit Rechtswirkung erst für die Zukunft

ex post

im Nachhinein

expressis verbis

mit ausdrücklichen Worten

ex tunc

rückwirkend, also mit Wirkung auch für die Vergangenheit.

falsa demonstratio non nocet

eine unrichtige Bezeichnung schadet nicht.

falsus procurator

„Falscher Vertreter“: Vertreter ohne Vertretungsmacht

in dubio pro reo

im Zweifel für den Angeklagten

in flagranti

beim Brennen (auf frischer Tat ertappt)

in medias res

„zur Mitte der Dinge“: Ohne Umschweife zur Sache kommen.

inter partes

zwischen den Parteien

interim

einstweilen

invitatio ad offerendum

Aufforderung zur Abgabe eines Angebots

ipso iure

kraft Gesetzes

iudex a quo

Bezeichnung des zuständigen Richters im Rechtsmittelrecht: der Richter, der die angefochtene Entscheidung erlassen hat, ist oft auch zuständig für die Entgegennahme des Rechtsmittels

iudex ad quem

Bezeichnung des zuständigen Richters im Rechtsmittelrecht: der Richter, der über das Rechtsmittel zu entscheiden hat

iudex non calculat

der Richter rechnet nicht

iura

die Rechte

iura novit curia

das Gericht kennt das Recht (selber)

iurisprudentia

Rechtswissenschaften

ius

Recht

ius sanguinis

Recht des Blutes (Staatsangehörigkeitsrecht): Die Staatsangehörigkeit richtet sich nach der Abstammung, d.h. nach der Staatsangehörigkeit der Eltern.

ius soli

Recht des Bodens (Staatsangehörigkeitsrecht): Die Staatsangehörigkeit wird allein durch die Geburt im Staatsgebiet erworben

Judikatur

Rechtsprechung

lex generalis

allgemeines Gesetz

magna cum laudae

mit großem Lob

mea culpa, mea maxima culpa

meine Schuld, meine sehr große Schuld

modus Vivendi

die Art des Zusammenlebens

lex specialis derogat legi generali

Spezialitätsgrundsatz: das besondere Gesetz geht den allgemeinen Gesetzen vor.

nasciturus

Leibesfrucht

ne bis in idem

“nicht zweimal in demselben”: Verbot der doppelten Strafverfolgung

negotium

Geschäft

nolens volens

(halb) nicht wollend, (halb), wollend, also innerlich zerrissen; ungern

nulla poena sine lege

keine Strafe ohne Gesetz

non liquet

es ist unklar

obiter dictum

nebenbei Gesagtes: eine in einem Urteil nebenbei geäußerte Rechtsansicht, die für das Urteil selbst nicht relevant ist

pacta sunt servanda

Verträge sind einzuhalten

periculum in mora

Gefahr in Verzug

persona non grata

unwillkommene Person

prima facie

erster Anschein

quid pro quo

etwas für etwas

quod erat demonstrandum

was zu beweisen war

res publica

der Staat

ratio legis

der Sinn des Gesetzes

reformatio in peius

Abänderung ins Schlechte

rubrum

das Rote. bezeichnet den Urteilskopf; dieser wurde früher mit roter Schrift geschrieben

sui generis

eigener Art

ultima ratio

letztes Mittel

venire contra factum proprium

„Handeln gegen frühere Tatsachen“: Verbot des widersprüchlichen Handelns

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