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Azubis – was tun, wenn die Noten nicht stimmen?

19.10.2010
Ausbildung ist nicht immer ein einfaches Thema, manchmal geht bei dem ganzen Stress im Büro die Fürsorge für den Berufsnachwuchs einfach auch ein bisschen unter. Trotzdem bedarf der Auszubildende immer besonderer Aufmerksamkeit, denn was in der Ausbildung passiert – Gutes oder Schlechtes – ist meist prägend für die berufliche Zukunft und die Einstellung zu unserem Beruf.
Grundsätzlich: Fürsorge und Kontrolle statt Laisser-faire
Die Kontrolle der schulischen und betrieblichen Leistung des Auszubildenden ist angebracht. Man sollte immer wissen, auf welchem Leistungsstand sich der Auszubildende befindet.
Zum einen muss man ihn im Betrieb seiner Leistung entsprechend fördern. Zum anderen braucht der Auszubildende das Gefühl, mit Problemen nicht allein dazustehen, sondern ernstgenommen zu werden. Ein gutes Vertrauensverhältnis bewirkt manchmal Wunder; die Richtung, in die der Auszubildende geht, kann dadurch von vornherein positiv beeinflusst werden und beide, Auszubildender und Betrieb, erleben keine bösen Überraschungen. Ein Scheitern des Auszubildenden bedeutet meist zugleich ein Scheitern des ausbildenden Betriebes.
Schlechte Noten in der ersten Phase der Ausbildung – eine Zeit der Umgewöhnung
Die erste Phase der Ausbildung - sprich etwa das erste halbe Jahr - ist auch immer eine Zeit der Umgewöhnung. Der Auszubildende fängt zum ersten Mal in seinem Leben an zu arbeiten, anstatt die Schule zu besuchen, außerdem ist der Lehrstoff in der Berufsschule ganz anders. Wo in der Schule z.B. noch Geometrie im Fach Mathematik vorkam, lernt man in der Ausbildung auf einmal Buchführung; statt Zeitungstexten oder Gedichten geht es um Gesetze – deren Logik nicht nur Auszubildende zum Erstaunen bringen kann.
Schlechte Noten kommen deswegen gerade in der Anfangsperiode manchmal vor, sollten aber nicht überbewertet werden. Sieht man sich die Reaktion des Auszubildenden an, bekommt er es beispielsweise mit der Angst zu tun oder ärgert er sich wirklich, kann man meistens davon ausgehen, dass seine Leistungen mit der Zeit besser werden.
Plötzlicher Leistungsabfall
Verschlechtert sich die Leistung eines Auszubildenden abrupt, können einschneidende Erlebnisse die Ursache sein - entweder im Betrieb oder im privaten Bereich, wie einem Todesfall in der Familie, dem Ende einer Beziehung oder Krankheiten. Wenn es üblicherweise keine Probleme mit den Noten und der Leistung gegeben hat, kann der Betrieb bzw. können die KollegInnen positiv auf die Entwicklung einwirken, indem sie den Auszubildenden unterstützen, Verständnis haben und Hilfe anbieten, ggf. auch zeitweise etwas entlasten.
Es ist auch schon vorgekommen, dass der Auszubildende gerade seine "zweite Pubertät" durchlebt... Vielleicht gibt es Freunde, die es hin und wieder nicht so genau nehmen mit ihrer Arbeit und den Noten - sprich: der Auszubildende pflegt den sogenannten "schlechten Umgang".
Mit durchschnittlich Anfang 20 ist der Auszubildende noch kein ganz erwachsener Mensch (im Strafrecht der "Heranwachsende") – doch wäre Verständnis hier der falsche Weg, Kontrolle und Einwirkung auf die Vernunft der bessere. Letztlich „ist die Ausbildungsstätte kein Erlebnispark”, sondern dient dazu, beruflich handlungsfähig – kompetent – zu werden.
Langsamer Leistungsabfall
Manchmal werden die Noten in den Lehrjahren allmählich schlechter, weil der Lehrinhalt schwieriger wird. Dies kann der Auszubildende nur dadurch steuern, dass er lernt, dass er Fleiß aufbringt und evtl. Nachhilfe annimmt, die ihm der Betrieb anbieten kann.
Allerdings gibt es bei einem langsamen Leistungsabfall manchmal auch eine längere Vorgeschichte. Ursachen können sein:
- Probleme im Betrieb mit Vorgesetzten, KollegInnen.
- Folge: Der Beruf macht keinen Spaß mehr, sondern bringt nur Stress.
- Lösung: Auf gutes Betriebsklima achten und den Auszubildenden respektieren.
- Die Schule bringt Probleme mit sich, z. B. durch Mobbing, Ausgrenzung, Hänseln, Erpressungen.
- Folge: Der Auszubildende wird langsam mürbe und zeigt Erschöpfungserscheinungen und wird auch krank.
- Lösung: Ziehen Sie notfalls - in Extremsituationen wie Mobbing, Erpressung in der Schule - alle Register, d.h. führen Sie als ausbildender Betrieb Gespräche mit Schule, Eltern und ggf. Polizei.
- Der Auszubildende leidet unter Prüfungsangst.
- Folge: Der Auszubildende kann die Leistung nicht abrufen und blockiert.
- Lösung: Lernen, Selbstvertrauen lernen, ggf. Coachings in Anspruch nehmen.
- Der Auszubildende hat persönliche Probleme, z. B. häusliche Situation, Überforderung, wenig oder gar keine Freunde, keinen Freizeitausgleich.
- Folge: Der Auszubildende kann im Betrieb und in der Schule keine Leistung mehr bringen.
- Lösung: Gespräche von Mensch zu Mensch und Lachen helfen oft mehr als jedes Therapieangebot.
- Die Berufswahl ist nicht die richtige gewesen.
- Lösung: Entweder durchhalten und die Ausbildung abschließen oder notfalls andere Ausbildung anfangen.
- Der Auszubildende hat keine Zeit zum Lernen wegen eines übermäßig hohen Stresspegels in der Kanzlei, Lernen und Schulaufgaben am Abend.
- Lösung: Dem Auszubildenden ein bisschen entgegenkommen.
Achten Sie immer auf Ihren Auszubildenden. Welchen Eindruck macht er auf Sie? Fragen Sie ihn, ob die Schule Spaß macht. Geben Sie ihm ein bisschen Freiraum, auch mal im Betrieb Hausaufgaben zu machen. Loben Sie ihn öffentlich, wenn er gute Noten schreibt und geben Sie ihm das Gefühl, ein Teil des Teams zu sein.
Was auch immer passiert – lassen Sie ihn nicht alleine.
Martina Ortz, Anwalts- und Büroservice, Oberhausen
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