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Working Mum
Ich gestehe, ich bin eine berufstätige Mutter und muss jeden Tag beweisen, dass ich in der Lage bin, die Doppelbelastung lächelnd und gut organisiert zu meistern.
Mein Tag beginnt damit, dass ich 45 Minuten vor der restlichen Familie mit dem Schlachtruf: „Tempo!“ oder „Action!“ aus dem Bett taumele. Ich eile in die Küche, decke den Tisch, bereite das Frühstück, wasche Berge von Obst, schneide es, fülle Jogurt in Schalen und presse den Orangensaft, den meine Familie so gerne morgens trinkt. Schnell koche ich mit der einen Hand noch Kaffee und Tee, während die andere Hand das Pausenbrot und die Getränke für die Schule zubereitet.
Dann aber, schnell, schnell, duschen, abtrocknen, anziehen und bitte alles in der richtigen Reihenfolge; dann das erforderliche dezente Schminken. Auf leisen Sohlen schleiche ich ins Kinderzimmer, mein bestes Stück wecken und ernte für die liebevollen und zarten Weckbemühungen eine mürrische Begrüßung und ausführliche Tiraden zu dem Thema, warum mein Kind nicht beabsichtigt, aufzustehen. Für Diskussionen ist keine Zeit, also setze ich mich, ganz Überredungskünstlerin, mit Engelszungen durch und jubele innerlich, als mein Kind sich gönnerhaft dazu herablässt, aufzustehen. Hurra, wieder eine Hürde genommen.
Glauben Sie nicht, dass ich nachgiebig bin. Ich muss resolut sein, denn wir wollen gemeinsam losfahren und zumindest ich bin gerne pünktlich im Büro. Jetzt wissen Sie, woher mein manchmal vielleicht resoluter Ton im Büro herrührt. Ich muss schon am frühen Morgen durchsetzungsfähig sein, wenn ich denn irgendwann mal im Büro erscheinen will.
Natürlich, weil ich eine Extraportion Drama brauche, bekleckert sich mein Kind mit Jogurt. Der morgendliche Alptraum nimmt erdrückende Formen an. Mein Kind muss sich umziehen. Was glauben Sie, mein Kind will natürlich nur das Sweatshirt anziehen, das komplett bekleckert ein Fall für die Waschmaschine ist. Wir haben die zweite große Krise des Tages, die Zeit rennt mir davon und ich bekomme hektische rote Flecken im Gesicht.
Endlich können wir aufbrechen, wir rasen zum Auto, ich schicke ein Stoßgebet zum Himmel, dass das Auto auch anspringt - Glück gehabt, schnell den Nachwuchs zur Schule gebracht! Ich flitze immer am Tempolimit ins Büro und habe das Gefühl, bevor ich überhaupt angefangen habe zu arbeiten, schon einen Marathon gelaufen zu sein.
Im Büro sieht mein Schreibtisch aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte und ich organisiere in rasanter Geschwindigkeit meinen Arbeitstag. Ich arbeite übrigens Teilzeit zu den typischen „Muttizeiten“. Ich muss also genau überlegen, wann ich was mache, damit das wirklich Wichtige erledigt ist, wenn ich gehe.
Ich düse durch den Bürotag, eine Kollegin ist im Urlaub, eine andere Kollegin ist krank, stresserprobt durch den Alltag als Mutter, überstehe ich auch diesen Arbeitstag. Nach dem Feierabend hetze ich nach Hause, kümmere mich um mein Kind (die Hausaufgaben, die Nahrungsaufnahme, die kleinen und die großen Sorgen), erledige die Lebensmitteleinkäufe und preise voller Inbrunst die langen Ladenöffnungszeiten.
Irgendwann, wenn ich dann ins Bett fallen kann, schaue ich zurück auf den ganz alltäglichen Wahnsinn und bin jeden Abend stolz. Stolz darauf, was ich alles geleistet habe und, Sie werden es kaum glauben: Ich freue mich auf den nächsten Tag, der mich komplett fordern wird und zwar als ReNo und als Mutter.
Ihre G. Baumgärtel