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Modernität
Jeder strebt danach, jeder begehrt dieses Gütesiegel: Mann und Frau wollen „modern“ sein.
Dekliniert ist das dann:
Positiv: modern
Komparativ: moderner
Superlativ: am modernsten
Doch was bedeutet es wirklich, modern zu sein?
Fragt man ein Lexikon, so erhält man die Antwort, dass man „der Zeit entsprechend“ ist. Umgangssprachlich heißt es „in Mode“ zu sein.
Ständige Erreichbarkeit
Wenn man mit der Zeit gehen will, dann ist es Pflicht, immer und überall telefonisch erreichbar zu sein. Deshalb sind wir umgeben von Menschen, die sich dem unterwerfen, um ja nur modern zu sein. Ich frage mich, ist man modern, wenn man über all den technischen Schnickschnack verfügt, mit dem man sich heutzutage das Leben zur Hölle machen kann?
Fast jeder ist ausgerüstet mit einer Ausstattung, die ihn jederzeit erreichbar sein lässt. Egal, wo Sie sich bewegen (ob am Strand, beim Zahnarzt, in der Bahn, im Bus, im Restaurant oder im Konzert, oder ganz einfach nur im Büro), irgendwo klingelt ganz sicher zur unpassenden Zeit ein Handy (oder Mobile, oder Blackberry, oder I-Phone, oder, oder, oder) und das sich an das Klingeln anschließende Gespräch raubt Ihnen entweder die Konzentration oder die Entspannung. Dabei will ich mich hier nicht einmal über die Absurdität der erklingenden Klingeltöne auslassen, das werde ich bei Gelegenheit tun.
SMS-Verbot am Arbeitsplatz
In vielen Büros ist es untersagt, mit dem Handy Gespräche zu führen. Leider wird nur zu oft vergessen, den Versand von SMS ebenfalls zu untersagen, sodass von den Schreibtischen der Kollegen hektische Betriebsamkeit ausgeht, sobald dieses kleine, moderne, nervenaufreibende Telefon im Vibrationsmodus Meldung davon gemacht hat, dass es eine neue Nachricht gibt.
Wenn man unterwegs ist, bemerkt man, dass oft bereits sehr junge, moderne Menschen (hier passt der Ausdruck „hipp“ besser) ein Mobiltelefon haben, und man kann mit fasziniertem Staunen den ach so wichtigen Gesprächen lauschen, die ein junges Mädchen mit der besten Freundin über Stunden hinweg führen kann.
Dann betrachten Sie einmal die armen, gehetzten, ach so modernen Menschen mit kritischem Auge. Hat diese Art der Modernität wirklich Lebensqualität? Ist es ein Zustand, den ich wirklich erreichen möchte, immer und überall erreichbar zu sein?
Das ständige Telefonieren immer und überall hat dazu geführt, dass die nicht telefonierende Minderheit geschützt werden muss. Ganz unmodern wünsche ich mir daher ein Handyverbot, das mindestens so weit reichend ist, wie das Rauchverbot.
Sie brauchen mich übrigens nicht zu fragen, ob ich über ein Handy verfüge. Natürlich habe ich eins, denn schließlich bin ich modern! Das ändert aber nichts daran, dass ich mich frage, ob es nicht manchmal viel besser ist, einfach unmodern zu sein.
Ihre G. Baumgärtel