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Die Handtasche

Ich bin mir sicher, dass ich auf der Welt nicht die Einzige bin, die eine enge Beziehung zu ihrer Handtasche pflegt. Ohne meine große Handtasche gehe ich nirgendwo hin. Sollte ich jemals auf die Idee kommen, an einem Dschungelcamp teilzunehmen, dann nur mit meiner Handtasche, ohne sie geht gar nichts.

Meine Handtasche gleicht einer Krisenhilfe, mit ihrem Inhalt meistere ich (fast) jede Situation. Was ist es nun, was meine Handtasche so wertvoll macht, was ihr den Status einräumt, zwingend zu mir zu gehören?

Es ist nicht das Material, es ist nicht die Form, es ist: der Inhalt.

Der Inhalt meiner Handtasche (ich habe immer ein aktuelles Lieblingsmodell, das ich ununterbrochen mit mir herumschleppe) bietet mir Lösungen in jeder Lebenslage.

Ob die Sonne scheint, es stürmt, hagelt oder schneit, ein Regenschirm ist immer in meiner Handtasche. So kann mich kein Regen überraschen und, für den Fall, dass es windig ist oder gar stürmt, habe ich auch ein peppiges Kopftuch dabei, um meine Frisur vor wetterbedingten Beschädigungen zu bewahren.

Da ich zu extremer Tollpatschigkeit neige und mir immer die blödesten, unangenehmsten Missgeschicke widerfahren, habe ich in meiner Handtasche Nähzeug, eine Ersatzstrumpfhose, Pflaster und für den schlimmsten Fall natürlich Kopfschmerztabletten dabei.

Ich bin darüber hinaus bewaffnet mit diversen Lippenstiften (mindestens drei) und Handcreme gegen raue Hände. Ohne eine Nagelpfeile und Nagellackentferner geh ich nicht aus dem Haus, sollte mir mit meinen Nägeln ein Malheur passieren, muss ich doch umgehend Abhilfe schaffen können.

Da ja immer die Gefahr besteht, dass ich verhungern könnte, finden sich auf dem Grund meiner Handtasche diverse Müsliriegel, deren Haltbarkeitsdatum ich nicht überprüfen möchte, eine kleine Packung Studentenfutter und für den akuten Notfall Traubenzucker, weil ich mir einbilde, mit der Hilfe von Traubenzucker sofort wieder ein energiegeladenes Powerpaket zu werden.

Und dann sind da noch mein Handy und mein Aufladekabel, denn immer dann, wenn ich tatsächlich mal mein Handy brauchen könnte, ist der Akku leer.

Irgendwo in diesem organisierten Chaos findet sich auch mein Kalender wieder, der einen ähnlichen Zustand hat, wie meine Handtasche. Zettel, Visitenkarten, gelbe Post-its erinnern mich an die wichtigen Erledigungen des Tages.

Ich könnte jetzt noch weiteres aufzählen, was sich bei genauer Untersuchung des Inhalts meiner Handtasche anfinden wird (so z.B. eine Taschenlampe), aber eines ist sicher, ich brauche jeden einzelnen Gegenstand zum täglichen Überleben und möchte meine Handtasche nicht missen.

Und dann frage ich mich, wie eigentlich Männer diese Probleme lösen und genieße voller Heiterkeit das Gefühl, wie gut ist es doch, eine Frau zu sein, um die Segnungen einer Handtasche genießen zu dürfen!

Ihre G. Baumgärtel

 

 

 

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