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Das Familienrecht

Wenn Sie mich fragen, welches Rechtsgebiet ich am Liebsten bearbeite, so kann ich mich nicht leicht entscheiden.

Da ist das Erbrecht, bei dem ich gelernt habe, dass die Gier der Menschen dazu führen kann, dass sämtliche Familienbande ignoriert werden und jeder nur noch an seinen eigenen Vorteil denkt.

Da ist das Arbeitsrecht, das mich immer noch hoffen lässt, dass es eines Tages Gerechtigkeit am Arbeitsplatz geben wird. Mir ist bewusst, dass die neue Bundesregierung weitere Arbeitsschutzrechte aufheben wird. Ich bin gespannt, was überhaupt noch an Schutzrechten übrig bleiben wird.

Da sind das Strafrecht und immer wieder der natürlich unschuldige Angeklagte. Selten habe ich so amüsante Geschichten gehört, als die, warum jemand eine Straftat nicht begangen hat, obwohl es haufenweise Beweise gibt, die etwas anderes erzählen. Hier warte ich auf den Mandanten, der ganz ehrlich und uneingeschränkt „ich war es“ sagt und bereit ist die Strafe für sein Fehlverhalten zu tragen.

Und dann, dann ist da noch das Familienrecht.

Das Familienrecht ist wie kein anderes Rechtsgebiet sonst der Spiegel unserer Gesellschaft. Rücksichtslos, verantwortungslos, ohne jede Hemmung oder moralische Bedenken werden Ehen zu Grabe getragen. Es wird mit scharfer Munition gekämpft, die Ehepartner sind beide darauf fixiert, den anderen Partner möglichst zu verletzten. Wer es denn braucht, ist bei uns in guten Händen, weil manchmal nur noch der Anwalt oder die Anwältin in der Lage sind, zu verhindern, dass Blut fließt.

Und dann sind da: Die Kinder, die Leidtragenden.

Immer noch viel mehr Männer verlassen ihre Frauen und Kinder, als umgekehrt. Verlassen die Frauen und Kinder, ohne einen Cent Unterhalt zu zahlen, ohne sich darum zu kümmern, wovon die Familie weiter existieren soll. Die Ehefrau wird abgelegt und mit ihr die Kinder.

Und da ist er, der Punkt, von dem ich weiß, hier bin auch ich als ReNo besonders gefordert. Ich kann die Mandantin, die mehrmals täglich anruft, trösten, ich kann mir immer wieder den Kummer der Mandantin anhören, für sie da sein, sie aufrichten und dann irgendwann, wenn die Hauptarbeit getan ist, die Vollstreckung mit Volldampf betreiben und bin sicher: Meine Arbeit ist sinnvoll.

Insofern: Das Familienrecht ist mein liebstes Arbeitsgebiet, weil ich so oft das Gefühl habe, auf der richtigen Seite zu stehen.

Ihre G. Baumgärtel

 

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