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Im Fokus: Erlebnisbericht vom Frauen-Selbstverteidigungskurs

16.05.2011

Was war das? Ankündigung eines Selbstverteidigungskurses für Frauen in der Zeitung – für Teilnehmerinnen ab 16 Jahren. Wow, das wollte ich schon immer machen. Wenn man beruflich öfter abends spät – vor allem im Winter – nach Hause kommt oder öffentliche Verkehrsmittel nutzt, dann merkt man auf einmal, dass Bahnhöfe und Straßen ein ganz schön gefährliches Pflaster werden können – für Männer wie Frauen. Der Kurs beinhaltete 12 Doppelstunden, davon 1 Theorieeinheit im Polizeipräsidium Oberhausen. Also – nichts wie anmelden und sich freuen, etwas Neues zu lernen.

Die große Aufregung – die erste Stunde naht

Die erste Stunde körperlicher Selbstverteidigung in meinem Leben und: Eine erstaunlich große Anzahl Teilnehmerinnen von sage und schreibe 26 Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren. Das hat mich erstaunt. Sodann stellte sich das Trainergespann Falk und Andrea vor und erklärten kurz die Ziele dieses Kurses. Vor allem ging es darum, gar nicht erst in bedrohliche Situationen zu geraten. Alles begann mit leichten Aufwärmübungen für Arme, Schultern, Hüften, Beine und Knie sowie Füße. Dann erklärte der Trainer die erste Schlagtechnik mit der Unterkante der Faust, die die Nase eines Übeltäters dahingehend belehren sollte, dass man Frauen besser nicht angreift. Schnell fanden sich Pärchen zusammen, die diese Übungen zusammen trainierten mit Hilfe sog. Pratschen, die als Schutz der Hand dienten. Man stellte sich kurz vor und schon „schlug“ man los. Die Schlagtechnik wurde erarbeitet, die Treffgenauigkeit sowie die Geschwindigkeit. Man kann sich vorher nicht vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, einen Schlag auszuführen. Im Anschluss wurden uns noch einige Schlag-Techniken je nach Angriff beigebracht. Das war ganz schön viel für die erste Stunde.

Was mache ich, wenn ich belästigt werde?

Die nächsten Übungen in den folgenden Kurseinheiten waren ausgerichtet auf den praktischen Nutzen. Es wurden keine Prügeleien gelehrt, sondern vielmehr Übungen zu Belästigungen, wie sie in der der Praxis vorkommen, sprich belästigendes Umarmen durch Betrunkene, Festhalten an den Händen in einer Disco usw., ohne dass man große Gewalt bei seinem Gegenüber anwenden muss. Hier wurden Grifftechniken gelehrt, mit denen man sich aus unliebsamen Umklammerungen befreien und danach das Weite suchen konnte.

Häusliche Gewalt

Auch das Thema häusliche Gewalt wurde angesprochen. Hier wurde insbesondere geübt die Abwehr von Schlägen, z. B. Ohrfeigen, sowie bedrängende und bedrohliche Situationen zu erkennen und einen Angreifer auf Abstand zu halten. Besonders beindruckend war weiterhin die Lehre über Körpersprache und Sprache allgemein. Hier hatten alle Teilnehmerinnen Probleme damit, ihrem Gegenüber eindeutige Signale zu geben, sprich ein lautes „Nein“ oder „Halt“ zu rufen bzw. dem Gegenüber anhand der Körpersprache zu verstehen zu geben: „Mit mir nicht!“.

Gewalt auf offener Straße

Gewalt auf offener Straße war ein Thema, das alle Teilnehmerinnen sehr interessierte. „Was mache ich, wenn mich einer abends überfällt?“ Dieses Thema war nicht einfach zu behandeln, da man hier auch sehr an seine eigenen Grenzen stößt, da man Menschen ja nicht unbedingt verletzen will. Aber wer einmal von seinem Trainingspartner gewürgt wird, der weiß erst einmal, wie unangenehm und gefährlich dies werden kann. Gleiches gilt für Angriffe mit einem Messer oder einer Waffe. Auch hier war immer die Frage: Wie verhalte ich mich? Klar, wenn einer nur Geld will, dann sollte man es ihm geben und gut ist es. Aber wie sieht es mit Körperlichkeiten aus? Auch hier wurden effektive Grifftechniken bis hin zu Tritten trainiert.

Theorieeinheit bei der Polizei

Hier referierte eine Kommissarin des Polizeipräsidiums Oberhausen. Sie stellte zunächst Statistiken zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ vor und erklärte Einiges zur Polizeiarbeit. Ferner erklärte sie, was bei Gewaltdelikten zu tun ist und an wen man sich notfalls wenden kann. Insgesamt ein sehr gelungener Abend, der keine Fragen der Teilnehmerinnen offen ließ und sehr zur Aufklärung beigetragen hat.

Der letzte Trainingsabend

Der letzte Trainingsabend stand an. Alle durften noch einmal Fragen stellen. Alle Übungen wurden noch einmal wiederholt. Zum Schluss durfte jeder mit seiner Partnerin das üben, was man wollte. Ein großes Lob wurde den beiden Trainern ausgesprochen, die sehr qualifiziert und erfahren waren.

Fazit

Insgesamt fanden sich eine tolle Truppe und sehr gute Trainer zusammen, mit denen das Trainieren sehr viel Spaß gemacht hat. Toll war, dass die Übungen auf die Praxis ausgerichtet waren und nicht nur Bewegungsformen enthielten. Es wurden keine Prügeleien gelehrt, sondern vielmehr die Verteidigung und dann die Flucht. Viele Fragen wurden beantwortet und keiner musste Übungen machen, die er nicht machen wollte. Alles war auf freiwilliger Basis. Insgesamt hat dieser Kurs allen Teilnehmerinnen sehr gut getan. Es wurde nicht starr trainiert, sondern sehr viel gelacht, und alle Teilnehmerinnen waren vom Kurs positiv überzeugt. Insgesamt: Sehr empfehlenswert.

 

Martina Ortz - Anwalts- und Büroservice, Oberhausen

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