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Im Fokus: Konfliktpotentiale in der Kanzlei

16.09.2010
Überall, wo Menschen zusammenkommen, können Konflikte entstehen. Wer Vollzeit arbeitet, verbringt in seiner Kanzlei mehr Zeit als mit dem Partner oder seiner Familie. Leider ist das gemeinsame Arbeiten nicht immer frei von zwischenmenschlichen Konflikten.
Effektives Verhalten am Arbeitsplatz zur Konfliktvermeidung
Effektives Verhalten am Arbeitsplatz besteht zunächst einmal darin, sich auf sich und seine Aufgaben zu konzentrieren. Wenn Sie Getratsche hören oder es Ihnen zugetragen wird, erzählen Sie es zumindest nicht weiter. Seien Sie am Arbeitsplatz gut für sich und Ihre Aufgaben.
Problem: Mangelnde Führung
Ein nicht zu unterschätzendes Risiko ist es, keine Regeln vorzugeben und allem seinen Lauf zu lassen. Nicht alle Menschen sind gleich. Wenn sich alles von selbst regeln soll, herrschen im Ergebnis häufig Unruhe und Streit. Es werden unausgesprochene Regeln umgangen, weil man es für „lässig” hält. Es können sich Fraktionen und Außenseiter bilden. Wenn ein Chef vermeiden will, dass solche Unruhe in seiner Kanzlei herrscht, sollte er Regeln vorgeben – auch für das zwischenmenschliche Miteinander. Klare Spielregeln müssen geschaffen werden. Sind diese nicht vorhanden, sollte man sie als Mitarbeiter/in erfragen. Gleiches gilt für Zuständigkeiten. Sie sollen grundsätzlich vom Chef erteilt werden. Hinterfragen Sie notfalls, was passiert, wenn Regeln nicht eingehalten werden.
Lösungsansatz: Die Mitarbeiter- oder Teambesprechung
Regen Sie beim Chef an, regelmäßig Team- oder Mitarbeiterbesprechungen abzuhalten. Hier kann jeder seine Probleme, Anliegen, Arbeitsvorbereitungen etc. vortragen. Der richtige Moment für diese Anregung ist in guten Zeiten, nicht erst in einer Krise. Versuchen Sie, in dieser Teambesprechung Konflikte zu klären. Es ist natürlich auch Aufgabe des Chefs, Konflikte hier aufzunehmen und zu steuern, wenn nötig.
Problem: „Tratschtanten”
„Tratschtanten” reden über alles – und vor allen Dingen über jeden. Die Folgen für eine Kanzlei können Grüppchenbildung, Streit, Zwietracht, gegenseitiges Ausspielen oder sogar Krankheit werden.
Lösungsansatz: Konfrontation
Falls Sie Opfer von Getratsche werden,
- stellen Sie den anderen sofort zur Rede und fragen Sie nach, woher er die Informationen hat,
- machen Sie dem anderen klar, dass er im Wiederholungsfall mit Folgen zu rechnen hat,
- bleiben Sie nicht erst ruhig und steigen erst dann, wenn es richtig „kocht”, mit harten Bandagen ein – grenzen Sie sich schon vorher ab,
- tragen Sie notfalls das Problem dem Chef vor.
Problem: „Miesepeter”
Es gibt hin und wieder Kollegen, die alles – besonders die Leistungen und Ideen anderer – kleinreden.
Lösungsansatz: Nachfragen und benennen
Lassen Sie das nicht zu:
- Fragen Sie zum Beispiel: „Was ist Ihrer Meinung nach zu tun? Wie können Sie dazu beitragen, dass es klappt?”
- Stellen Sie klar, wenn ein Beitrag nicht konstruktiv ist.
Problem: Gutmütigkeit – Ja-Sagen
Sie kennen das Gefühl: Sie arbeiten gerne und viel? Ihre Kollegen gehen immer pünktlich nach Hause? Obwohl alle schon Feierabend haben, ist noch eine Aufgabe zu erledigen, die Sie natürlich an sich nehmen – weil Sie Angst vor den Konsequenzen haben, wenn Sie Nein sagen würden. Nehmen Sie sich in Acht, dass daraus nicht eine Gewohnheit für Sie und die anderen wird.
Lösungsansatz: Nein-Sagen
- Auch wenn es Ihnen unangenehm ist: Stellen Sie klar, dass Sie nicht die einzige sind, die sich Zeit nehmen kann. Auch Sie haben ein Recht auf ein Privatleben.
- Stellen Sie klar, dass es keinem nützt, wenn Sie vor lauter Arbeit „krankenhausreif” werden.
- Wenn Sie sich das nicht zutrauen, dann benutzen Sie Ausreden, bevor Sie sich immer „weichklopfen lassen”, Überstunden nur um des lieben Friedens (anderer) willen zu machen.
Problem: Mehr Gehalt fordern?
Wenn Sie mehr Gehalt für sich durchsetzen wollen, sagen Sie nicht: „Ich würde mich für mehr Geld auch mehr anstrengen und mehr arbeiten.” Damit erreichen Sie nichts.
Lösungsansatz: Leistung beschreiben, Dank annehmen
Heben Sie Ihre Leistung hervor:
- Machen Sie auf sich und Ihre Leistung aufmerksam. Wie ist sie gewachsen? Welche Aufgaben sind neu hinzugekommen? Wie lange ist die letzte Lohnerhöhung her? Mussten Sie Einbußen in Kauf nehmen (etwa auf Urlaub in den Sommermonaten verzichten, da Sie Single sind)? Wie viele Überstunden machen Sie? etc.
- Verzichten Sie dabei auf Vergleiche mit dem Gehalt Ihrer Kollegen oder persönliche finanzielle Pläne, sondern betonen Sie Ihren Wert für die Kanzlei.
- Wenn sich ihr Chef für Ihre Arbeit bedankt, tun Sie das nicht als Selbstverständlichkeit ab: „Ach, dafür bin ich doch da.” Damit erreichen Sie eher, dass er sich nicht wieder bedankt. Sagen Sie lieber etwas wie „Bittesehr”, „Gern geschehen” oder „Es war auch nicht ganz einfach...”.
Immer jubeln!
Martina Ortz, Anwalts- und Büroservice, Oberhausen
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