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Im Fokus: Burn-out - wie kann man dem vorbeugen?

14.07.2010
Die Behandlung des Burn-out-Syndroms kostet Krankenkassen jährlich rund 6.000.000.000,- €. Wie kann man sich davor schützen? Kann es jeden treffen oder sind nur bestimmte Typen oder gar Berufsgruppen wie etwa Lehrer davon betroffen?
Was versteht man unter Burnout?
Früher nannte man das Burn-out-Syndrom auch oftmals „Nervenzusammenbruch“. Burn-out erleidet man entweder durch einen sehr hohen persönlichen Einsatz, indem man sich absolut mit seiner Arbeit identifiziert und für alles andere kein Raum mehr bleibt. Oder auch durch äußere Umstände, die auf einen einwirken, sodass man Opfer dieser Umstände wird. Beides häufig gekoppelt mit dem Gefühl, ersetzbar zu sein bzw. nie Lob oder Anerkennung zu erhalten. Hierzu später mehr.
Die Phasen des Burnout-Syndroms
Die Begeisterung für seinen Beruf
Burn-out-Betroffene sind oftmals „Feuer und Flamme“ für ihren Beruf. Sie sind begeisterungsfähig und gehen ganz in diesem auf. Dadurch werden ihre Ziele unglaublich hoch gesteckt, soziale Kontakte außerhalb des Berufsfeldes gibt es wenig oder kaum. Überstunden sind keine Seltenheit, und man leistet einen hohen persönlichen Energieeinsatz. Die eigenen Bedürfnisse kommen zu kurz.
Stress
Stress entsteht dann, wenn weitere Stressfaktoren, z. B. privater Natur, Wechsel des Vorgesetzten, schlechte Wirtschaftslage der Firma etc., hinzukommen. Hier muss man an seine Reserven gehen, aus der einstigen Begeisterung wird nun Stress, zumal wenn weniger Erfolge zu verbuchen sind. Da man in dieser Phase schon an die eigenen Reserven gehen musste, beschleicht einen das Gefühl eigener Inkompetenz, gefolgt von Erschöpfung, innerer Unruhe, Schuldgefühlen, Schlafproblemen, Unzufriedenheit, Gereiztheit usw.
Resignation und Gleichgültigkeit
Da man nicht aufgeben will, sein Leben aber auch nicht ändern will (sprich kürzer treten will), folgt in dieser Phase oftmals der völlige Rückzug von Kontakten. Alles „nervt“, ob Telefon, Kunden, Angestellte, die Arbeit selbst. Berufliche Veränderungen werden nicht mehr angestrebt. Oftmals beginnen hier schon Depressionen. Entspannung ist hier kaum noch möglich. Das hohe Tempo aus der Phase der Begeisterung, das man gegangen ist, kann nicht mehr gehalten werden.
Burnout
Geistige Erschöpfung ist wahrscheinlich die Hauptkomponente des Burn-out-Syndroms. Man fürchtet hier auch Prestigeverlust, und man darf nicht auffallen. Eigentlich ist man so etwas von sich gar nicht gewohnt, man war immer gut und stark… Hinzu kommen dann mangelndes Lob und Anerkennung für seine Verdienste. Man könnte eigentlich stolz sein auf sich und seine Arbeit, aber man fühlt dies nicht mehr. Man hat eher das Gefühl, dass man immer mehr Energie braucht für die einfachsten Dinge. Abends „rotieren“ dann die Gedanken, weil man nicht zufrieden mit sich selbst ist. Weitere Symptome sind häufig: Mutlosigkeit, Gefühl der Hilflosigkeit gegen die Situation, Widerwillen gegen alles, besonders die Arbeit, aggressives Verhalten, innere Leere, Angst.
Welcher Typus ist burnoutgefährdet?
Perfektionisten, weiterhin Menschen, die immer nur geben, ferner Menschen, die „lichterloh nur für ihre Arbeit brennen“, Leute, die nie NEIN sagen können, Leute, die ihre Bedürfnisse nicht kennen, oder auch jeder, wenn in Betrieben Stress und Chaos herrschen.
Was kann der Betrieb als Prävention tun?
Burn-out ist auch begründet durch die Organisation – oder besser fehlende Organisation – in einem Betrieb. Leute, die Burn-out erleiden, sind eigentlich kraftvolle, dynamische Menschen. Fehlende Organisation im Betrieb bringt Arbeitsstress fernab der eigentlichen Aufgabe mit sich. Man muss ggf. Sachen erledigen, die nicht zum Aufgabengebiet gehören. Hier können so genannte Funktionspläne aber auch die Einführung eines Qualitätsmanagementsystems weiterhelfen. Die Verbesserung der Kommunikationsstruktur ist ebenfalls von Bedeutung bzw. eine Untersuchung, wie Informationen laufen sollen. Wer ist für was zuständig?
Betriebe sollten ihren Mitarbeitern Lob und Anerkennung zollen für ihre Leistungen und ihren Einsatz. Mitarbeiter sind in der Regel leicht zu befriedigen. Sie erwarten normalerweise nicht immer direkt unglaubliche Aufstiegschancen. Für die meisten ist ein gutes Betriebsklima sehr viel wertvoller als 50,- € mehr (nach Steuerabzug) auf der Gehaltsabrechnung. Sie möchten das Gefühl haben, wertvoll als Mitarbeiter und als Mensch zu sein – dass man ersetzbar ist, weiß ohnehin jeder. Ferner können betrieblich Coachings, teambildende Maßnahmen, geschultes Führungsverhalten gefördert werden, auch direkt als Burnoutprävention.
Abbau der Überstunden durch Freizeitausgleich ist ebenfalls eine Möglichkeit. Was nützt es einem Betrieb, wenn seine Mitarbeiter „regelrecht aus den Latschen kippen“ aufgrund Burn-out. Im Endeffekt rentiert sich das für keinen Betrieb, da bei Burn-out mit monatelangem Ausfall zu rechnen ist. Der Betrieb muss Verständnis aufbringen für Mitarbeiter, die an Burn-out erkrankt sind, besonders da es eine betriebsbedingte Erkrankung sein kann. In der Realität erhält man aber nicht selten eine „betriebsbedingte Kündigung“.
Was kann der Einzelne tun?
Alles! Zunächst einmal sollte er Einsicht zeigen, dass es ihm am allerwenigsten und auch allen anderen nicht nützt, an einer Krankheit wie Burn-out zu erkranken!
Wenn man einmal durch Burn-out „ausgebrannt“ ist, muss man auch irgendwann einmal „gebrannt“ haben bzw. „Feuer und Flamme“ gewesen sein für etwas. Selbst Spitzenleute wie der berühmte Skispringer Sven Hannawald litten unter Burn-out. Versuchen Sie Ihre Ursprungsmotivation zurückzugewinnen, aber versuchen Sie nicht mehr, sich unentbehrlich zu machen. Wenn Sie lange für etwas gebrannt haben, müssen Sie auch sehr kraftvoll sein und auch qualitativ sehr gut. Werfen Sie Ihre Qualitäten nicht weg. Wenn Sie nur für Ihre Arbeit leben, zieht das Leben an Ihnen vorbei. Entdecken Sie Ihre Bedürfnisse. Schauen Sie in Büchern nach, z. B. unter Maslow. Hier werden menschliche Bedürfnisse in Pyramidenform sehr gut veranschaulicht.
Planen Sie Freizeit immer ein, genau wie Partner und Familie, Freunde, Kinder, Urlaub. Wenn Sie keine Freunde haben, suchen Sie sich welche. Schaffen Sie sich ein liebevolles Umfeld, das Sie gern hat und nicht unbedingt aus Ihren Kunden/Kollegen besteht. Man braucht auch Abstand. Sie sind ein Mensch und kein Roboter. Selbst Hochleistungssportler treten irgendwann ab und wollen dann leben, lachen, lieben lernen. Sie müssen ohnehin noch bis ins Rentenalter arbeiten.
Nehmen Sie Dinge mit Humor. Lachen kann nie schaden. Machen Sie Ihre eigene „Lachtherapie“, „Streicheltherapie“, „Seelenmassagetherapie“ – kurz: Was immer Sie wollen und schön finden.
Link-Tipp
Sollten Sie sich für gefährdet halten, hier ein Link zum Selbsttest: www.swissburnout.ch (unter „Suchen Sie Hilfe?“ – Selbsttest).
Immer jubeln!
In diesem Sinne
Martina Ortz, Anwalts- und Büroservice, Oberhausen
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