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Im Fokus: Azubis aufgepasst - Checkliste "Erste Tage in der Ausbildung"

28.07.2010
Nun ist es bald soweit, das neue Ausbildungsjahr beginnt in wenigen Tagen. Die Ausbildung ist ein neuer Lebensabschnitt, der ungeheuer spannend und aufregend ist. Damit der Start also reibungslos klappt, hier ein paar kleine Tipps und Hinweise für die ersten Tage Ihres neuen Lebensabschnittes.
1. Vorabinformationen
Vielleicht hat man es Ihnen schon mitgeteilt, aber wenn nicht, rufen Sie ein paar Tage vor Ausbildungsbeginn Ihre Ausbildungskanzlei an und fragen, um welche Uhrzeit Sie am ersten Tag erscheinen sollen. Nichts ist ärgerlicher, als gleich am ersten Tag zu spät zu kommen.
Möglicherweise haben Sie schon beim Vorstellungsgespräch einen Blick auf Ihre zukünftigen Kolleginnen und Kollegen werfen können. Haben Sie dabei auf deren Kleidungsstil geachtet? Waren alle eher leger gekleidet oder gab es auch Kolleginnen im schicken Hosenanzug? Passen Sie sich diesem Kleidungsstil an. Fragen Sie bei Unsicherheiten lieber nach, was im Büro erlaubt ist und was nicht. Gerade auch bei heißen Sommertemperaturen sieht es nicht jede Kanzlei gerne, wenn ihre Mitarbeiter in Flip Flops, Spaghettishirt und Bermuda-Shorts im Büro zugegen sind. Beugen Sie also solchen Fettnäpfchen vor.
2. Sie oder Du?
Siezen Sie am besten zunächst jeden im Büro. Nach und nach wird Ihnen das „Du“ sicherlich von Kolleginnen angeboten werden. Für den Anfang sollten Sie jedoch auf Nummer sicher gehen. Sie werden schnell heraushören, wie die Umgangsform in Ihrem Ausbildungsbüro ist.
3. Aufmerksamkeit
Sie werden am Anfang von vielen Eindrücken nur so bombardiert werden. Bleiben Sie cool, diese Phase, in denen Ihnen viele Namen, Arbeitsabläufe, Fachbegriffe etc. begegnen, geht schon bald vorbei und Ihnen kommt vieles schon selbstverständlich vor. Seien Sie jedoch von Anfang an aufmerksam. Notieren Sie sich z. B. Namen der wichtigsten Mandanten oder von Fachbegriffen, die Sie hören und fragen dann gezielt nach, um was es sich dabei handelt. Das macht nicht nur gleich einen guten Eindruck, sondern schafft auch wertvolle Grundlagen für Ihre gesamte Ausbildung.
4. Hilfsbereitschaft
Vielleicht gibt es auch in den ersten Tagen und Wochen Ihrer Ausbildung noch nicht so viel zu tun für Sie. Bieten Sie dann den Kolleginnen ganz direkt Ihre Unterstützung an. Sei es beim Kopieren, bei Botenwegen oder dass Sie selbstverständlich Kaffee nachkochen oder die Drucker und Kopierer mit Papier nachfüllen. Die Kolleginnen werden es Ihnen danken und man wird Sie als verlässliche Hilfe schätzen lernen.
5. Höflichkeit
Selbstverständlich geht man in der Kanzlei respektvoll miteinander um. Dazu gehört auch ein angemessener Umgangston und entsprechendes Verhalten untereinander sowie gegenüber Mandanten und Dritten. Mandanten erwarten von einer Kanzlei professionelles Verhalten und tadellose Dienstleistung. Indem Sie auch eher unbequemen Zeitgenossen cool und gelassen begegnen, zeigen Sie, dass Sie sich von Launen anderer nicht in Ihrer Arbeit beeinflussen lassen.
6. „Saure Gurken Zeit“
Wie bereits erwähnt, gibt es vielleicht nicht gleich vom ersten Tag an acht Stunden vollgepackte Ausbildungszeit für Sie. Machen Sie jedoch auf sich und Ihre Bedürfnisse aufmerksam. Sie sind schließlich zur Ausbildung in der Kanzlei. Fordern Sie Ihr Recht auf qualifizierte Ausbildung ein (Hilfsbereitschaft ist gut, aber niemand soll drei Jahre Kaffee kochen!!!) Falls tatsächlich mal nichts für Sie zu tun ist, fragen Sie, ob Sie z. B. mal eine interessante Prozessakte durchsehen können oder ob Sie einen Anwalt zu einem Gerichtstermin begleiten dürfen. Vielleicht hat ja auch eine Kollegin Zeit, gemeinsam mit Ihnen Übungsaufgaben aus der Berufsschule zu bearbeiten, zu denen Sie dann ganz ungestört Fragen stellen können.
7. Berichtsheft
Während Ihrer gesamten Ausbildungszeit müssen Sie ein Berichtsheft führen. Am Anfang ist man vielfach ratlos, wie die Berichte aussehen sollen und über welche Themen oder Tätigkeiten Sie berichten können. Erkundigen Sie sich daher im Büro bei anderen Auszubildenden oder Kolleginnen, wie Sie das Heft korrekt führen. Lassen Sie sich ein Beispielheft zeigen. Führen Sie dieses konsequent und von Anfang an regelmäßig. Nichts ist ärgerlicher und unnötiger, als wenn Sie irgendwann unzählige Monate nachtragen müssen.
8. Berufsschule
Man wird Ihnen in den ersten Tagen im Büro auch erläutern, wann Sie zur Berufsschule gehen müssen. Verfolgen Sie dort von Anfang an das Geschehen aufmerksam. Stoff, der am Anfang nicht ernst genommen wird, wird Ihnen u. U. später mal als Grundlagenwissen fehlen oder lückenhaft sein. Hören Sie aufmerksam zu, wenn Ihnen aufgegeben wird, welches ergänzende Übungsmaterial beschafft werden und welche Gesetzestexte Sie kaufen sollten. Es werden unverzichtbare Begleiter während Ihrer Ausbildung und darüber hinaus sein.
9. Musterordner
Auch, wenn es Ihnen vielleicht albern vorkommt: Bewahren Sie zunächst alles an Schriftstücken, Vorlagen und Informationen auf, was Sie von Kolleginnen oder Vorgesetzten erhalten und legen es in einem Musterordner ab. Achten Sie hierbei jedoch darauf, dass, wenn Sie z. B. Muster für die Berufsschule benötigen, Namen, Anschriften und allgemeine Personalisierungen geschwärzt sein sollten! Informieren Sie sich daher vorher hierzu bei Kolleginnen über die Verschwiegenheitspflicht!
Sei es die Kopie eines einfachen Kenntnisnahmeschreibens oder Ihr eigener Vermerk, welche Stempel Sie für das Ausfertigen von Schriftstücken benutzen müssen: Irgendwann werden Ihnen die meisten Sachen selbstverständlich sein, aber bis dahin ist ein gut geführter Musterordner eine tolle Hilfe.
10. „Einstandsleckerei“
Zu guter Letzt: Nach ein, zwei Wochen haben Sie sich schon ein wenig eingefunden. Zeit, um sich mit einem selbstgebackenen Kuchen oder ein paar Süßigkeiten für die nette Aufnahme im neuen Kollegenkreis zu bedanken. Das kommt immer gut an!
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre gesamte Ausbildung und eine tolle, spannende Zeit!
Viviane Holingue, Rechtsfachwirtin
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