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Im Fokus: Doppelbelastung - Ein Tag braucht manchmal mehr als 24 Stunden

08.12.2009
oder: Aus Zeitgründen müsste ich Weihnachten leider auf Januar verschieben!
Jetzt beginnt die Adventszeit. Eine sehr schöne Zeit. Eine Zeit, in der viele Menschen versuchen, bewusst einen Gang zurückzuschalten und die stimmungsvolle Winterzeit einzuläuten mit all der Gemütlichkeit, die dazu gehört. Ruhige Adventssonntage mit Weihnachtsmarktbummel, Glühweingenuss oder dem Backen von Plätzchen. Nun werden Sie als ReNo wissen, dass der Dezember eigentlich nicht zu den beschaulichen Zeiten im Büro gehört, da immer noch schnell vor Jahresende dies und das zusätzlich erledigt werden muss. Es lauern Verjährungsfristen und so manchem Mandanten fällt erst wenige Tage vor Jahresschluss ein, dass er doch noch seine Eigentumswohnungen oder Grundstücke schnell verkaufen oder an seine Kinder verschenken wollte und Sie daher dringend für die Beurkundung der entsprechenden Verträge sorgen müssen. Von Ruhe und Beschaulichkeit ist da wenig zu spüren.
Für alle, die neben ihrer Tätigkeit als ReNo jedoch noch weitergehende Fortbildungen oder sogar ein Studium absolvieren, dreht sich die Uhr gerade auch in dieser Jahreszeit gefühlt noch etwas schneller als für die Kolleginnen. Und wenn alle anderen berichten, dass sie schon alle Geschenke gekauft, die Wohnung geschmückt, weihnachtlich gebacken und gebastelt haben, fragen Sie sich, warum ein Tag nicht auch mal 30 Stunden haben könnte. Oder dass Weihnachten besser in den Januar verlegt werden sollte, weil Sie bis dahin dann auch mit allen Erledigungen soweit wären…
Sie kennen das sicher:
Trotz eigentlich fester Arbeitszeiten kommen Sie aufgrund des viel höheren Arbeitsanfalls mal wieder zu spät aus dem Büro, der Magen knurrt, weil Sie auch die Mittagspause vor lauter Stress vergessen haben. Sie haben in Gedanken schon den nächsten Bürotag mit seinen Erledigungen im Kopf und müssen dann noch die nötige Überwindung und Zeit finden, sich auf die fachlichen Erfordernisse eine Studiums oder einer Fortbildung zum Beispiel zur Rechtsfachwirtin einzulassen. Selbstverständlich haben Sie bis zu diesem Punkt noch nicht mal an Kinder, Partner, Freunde den Haushalt oder Freizeit gedacht.
Es warten ordnerweise Skripte zum Durcharbeiten, Einsendearbeiten mit ihren festen Abgabefristen und eigentlich wollten Sie schon längst zu dem Thema weiter recherchiert haben, was Ihnen in der letzten Kurseinheit Probleme bereitet hat. Und ganz nebenbei fragen Sie sich, wann Sie sich eigentlich noch mit Ihrer Lerngruppe verabredet hatten und warum Sie sich das ganze überhaupt antun.
Wohl dem, der dann trotz der vielen Anforderungen immer noch gut organisiert und einigermaßen entspannt durch den Alltag kommt.
Mal bewusst abschalten
Aber soll ich Ihnen etwas Ernüchterndes sagen: Es klappt meistens nicht. Es ist unmöglich, immer 100% zu geben. Wir sind alle nur Menschen. Und Menschen haben auch mal Schwächen, die man sehr wohl zeigen kann und muss. Jeder, der den inneren Schweinehund immer und immer wieder überwindet für eine Fortbildung oder ein berufsbegleitendes Studium weiß, dass einfach irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem man nicht weiter in hohen Tempo an allen Fronten gleich gut kämpfen kann. Die Reserven sind dann allzu schnell ausgeschöpft. Gönnen Sie sich daher in solchen Momenten auch mal die „Schwäche“ ganz bewusst die Füße hochzulegen, den Kopf für alles berufliche und fachliche auszuschalten und sich bei etwas zu entspannen, was Ihnen gut tut (zum Beispiel Plätzchen backen…).
Manchmal braucht es ein wenig Abstand zum Trubel und ein deutliches „Stopp-Signal“ (dass gerne auch von Freunden oder der Familie kommen kann und muss). Danach geht meistens alles viel leichter von der Hand. Lernen Sie, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie sich solche Pausen gönnen. Denn Lernen kann nur der, der durch Pausen und Freizeit immer wieder die leeren Batterien auflädt. Und dafür brauchen Sie nicht auch noch Gewissensbisse, die Sie nur hindern und ein Genießen der Freizeit unmöglich machen.
Wie jeder weiß, ist Stress auf Dauer ungesund. Schließlich wollen die Kinder oder auch der Partner Sie nicht immer unter Zeitdruck erleben oder mit dem Palandt unterm Kopfkissen einschlafen sehen. Man kann versuchen, sich und seine Umgebung bestmöglich zu organisieren. Feste Lernzeiten am Abend oder an den Wochenenden einzuplanen und im Gegenzug die nicht eingeplante Zeit dafür ausgiebig für nicht-fachliche Dinge zu verwenden. Jeder muss zum Beispiel individuell herausfinden, wann das Lernen ergiebig ist und wann nicht.
Unterstützung suchen und annehmen
Vielleicht ist es aber auch möglich, in bestimmten Bereichen Unterstützung durch Familie oder Freunde zu erhalten. Selbst wenn nur Sie allein hinterher die Fachwirtprüfung schreiben müssen, kann die Zeit bis zur Prüfung mit dem Partner zuhause, der Ihnen Entlastung zum Beispiel in Haushaltsdingen schafft, zu einer Team-Arbeit werden. Das „Projekt Fachwirtin“ ist dann keine individuelle Angelegenheit von Ihnen mit allen Vor- und Nachteilen, sondern wird zu einer gemeinsamen Aufgabe, an der der Partner zum Beispiel auch Freude haben kann, wenn Sie mit stolzer Brust glücklich von den Ergebnissen der letzten Einsendearbeit berichten können.
Für alle, die Doppelbelastungen jeglicher Art zu bewältigen haben und sich in den obigen Schilderungen wieder finden: Seien Sie einfach mal stolz auf sich! Auf das, was Sie tagtäglich bewältigen. Denn Sie managen nicht nur sich selbst, Ihr soziales Umfeld, Ihre Arbeit, den Chef, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Mandanten, sondern lernen auch viel über sich selbst und Ihre Grenzen. Doch am Ende ernten Sie auch die Früchte der langen und anstrengenden Lern- und Studienzeit wenn Sie dann endlich das lang ersehnte Fachwirtzeugnis oder einen anderen Abschluss in Händen halten. Und dann können Sie allemal stolz auf sich sein!
Viviane Holingue
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